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opencrm/tools/audit-notary/README.md
T
duffyduckandClaude Opus 5 1eb65809ec Gegenbuch: Dienstkonto statt Token, .env mit gueltigen Werten
Blocker behoben: Ich hatte ein dauerhaftes API-Token vorausgesetzt - das gibt
es in OpenCRM nicht. Zugangstoken leben 15 Minuten, der Gegenbuch-Container
waere nach dem ersten Durchlauf gestorben. Aufgefallen erst durch die Frage des
Betreibers, woher er den Token nimmt.

Loesung: Das Gegenbuch meldet sich bei jedem Lauf selbst an, mit einem eigenen
Benutzerkonto, dessen Rolle ausschliesslich audit:read traegt. Damit kann es
nur Pruefwerte lesen - keine Kundendaten, keine Aenderungen. CRM_TOKEN bleibt
fuer Tests moeglich, ist aber nicht mehr der Normalweg. Fehlerfaelle (falsches
Passwort, Anmelde-Bremse, CRM nicht erreichbar) werden unterschieden und im
Klartext gemeldet.

.env.example nennt jetzt zu jedem Schalter die gueltigen Werte - bisher liess
sich nur raten, ob es prod oder production heisst. Einschliesslich des Falls
"erst nur Staging testen, Prod spaeter dazunehmen".

Beide READMEs um "Zugang einrichten" ergaenzt: Rolle mit nur audit:read,
Benutzer damit, Zugangsdaten in die .env. Mit dem Hinweis, dass jede Anmeldung
im Audit-Log erscheint - gewollt, denn so faellt auch auf, wenn das Gegenbuch
aufhoert zu arbeiten.

Verifiziert gegen eine Attrappe, die wie das echte CRM eine Anmeldung verlangt.

Co-Authored-By: Claude Opus 5 <noreply@anthropic.com>
2026-08-22 19:31:46 +02:00

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# Gegenbuch (externe Notarisierung)
Alle Schutzmechanismen im CRM selbst Hash-Kette, Versionsgrenze,
Löschungs-Manifest, Bestandssiegel liegen in **derselben Datenbank**, die sie
absichern sollen. Wer dort schreiben kann, sitzt am Ende immer schon auf der
Ebene, die den Beweis führt. Genau das hat der Pentest über mehrere Runden
Schicht für Schicht gezeigt.
Das Gegenbuch durchbricht das: Ein **zweiter Rechner** holt regelmäßig einen
kurzen Kontrollwert vom CRM, prüft ihn gegen seine eigene Historie und schreibt
ihn signiert fort. Wird später im CRM etwas nachträglich verändert,
widerspricht das dem Gegenbuch.
## Zwei Betriebsarten erst hier entscheiden
| | **Lokal** (Normalfall) | **Mit externem Repository** |
|---|---|---|
| Das Buch liegt | auf dem Gegenbuch-Rechner | zusätzlich auf einem dritten Server |
| Aufwand | Docker starten, fertig | privates Git-Repo, Schlüssel, Server-Regeln |
| Schützt gegen | jemand verändert Daten **im CRM** | zusätzlich: jemand übernimmt den **Gegenbuch-Rechner** |
**Für die allermeisten Installationen ist „lokal" die richtige Wahl.** Der
Schutz, um den es geht nachträgliche Änderungen im CRM auffliegen zu lassen
steht damit vollständig. Die zweite Variante deckt einen Angreifer ab, der
zusätzlich den Gegenbuch-Rechner übernimmt; sie kostet spürbar mehr Einrichtung
und laufende Aufmerksamkeit.
Diese Anleitung beschreibt zuerst den lokalen Betrieb. Alles zur zweiten
Variante steht gesammelt unter **„Zusätzliche Härtung"** weiter unten wer
lokal betreibt, kann diesen ganzen Teil überspringen.
## Die eine nicht verhandelbare Bedingung
**Der Signaturschlüssel und das Push-Recht dürfen nicht in den Deploy-Secrets
des CRM liegen.** Sonst ist der zweite Schlüssel im selben Zugriffsbereich wie
der erste es sieht nach doppeltem Boden aus und ist keiner. Das CRM braucht
für dieses Verfahren **gar nichts** zu wissen: Es liefert nur einen lesbaren
Kontrollwert, der keine Geheimnisse enthält.
## Einrichten mit Docker (empfohlen)
Auf dem **Gegenbuch-Rechner** nicht auf dem CRM-Server:
```bash
git clone <dieses Repository> opencrm
cd opencrm/tools/audit-notary
cp .env.example .env
# .env ausfüllen: CRM-Adresse und Token eintragen
docker compose up -d
```
Beim ersten Start einmalig `PROD_GENESIS_ACK=true` setzen (und danach wieder
leeren) die erste Eintragung legt fest, was als Ausgangszustand gilt, und das
soll nicht versehentlich passieren.
**Zwei Bücher auf einer Maschine** sind vorgesehen: `prod` und `staging` sind
getrennte Dienste mit getrennten Verzeichnissen und getrennten Schlüsseln.
Welche laufen, steuert `COMPOSE_PROFILES` in der `.env`.
### Zugang einrichten (das brauchst du vorher)
Das Gegenbuch braucht ein **eigenes Benutzerkonto** im CRM kein Token. Der
Grund: Zugangstoken laufen nach 15 Minuten ab und wären beim nächsten
stündlichen Durchlauf längst ungültig. Das Gegenbuch meldet sich deshalb bei
jedem Lauf selbst an.
Im CRM, als Administrator:
1. **Rolle anlegen**, z. B. `Gegenbuch` und ihr **ausschließlich** das Recht
`audit:read` geben. Sonst nichts.
2. **Benutzer anlegen**, z. B. `gegenbuch@deine-domain.de`, mit dieser Rolle
und einem langen, zufälligen Passwort.
3. E-Mail und Passwort in die `.env` des Gegenbuchs eintragen
(`PROD_CRM_EMAIL` / `PROD_CRM_PASSWORD`).
Mit `audit:read` allein kann dieses Konto **nur Prüfwerte lesen** keine
Kundendaten, keine Verträge, nichts ändern. Selbst wenn die Zugangsdaten
abhandenkommen, ist damit nichts anzufangen.
Für Produktion und Test jeweils ein eigenes Konto in der jeweiligen Instanz.
> Jede Anmeldung erscheint im Audit-Log der jeweiligen Instanz. Das ist so
> gewollt: Man sieht, dass das Gegenbuch arbeitet und wenn es aufhört, fällt
> auch das auf.
### Wer redet mit wem
```
Gegenbuch ──holt lesend──> OpenCRM (HTTPS, Konto nur mit audit:read)
OpenCRM ─────────────────> (kennt das Gegenbuch nicht)
```
Das ist der eigentliche Schutz. Das Gegenbuch **holt** es lässt sich nichts
schicken. OpenCRM kennt weder Adresse noch Schlüssel des Gegenbuchs. Wer
OpenCRM übernimmt, kommt hier nicht heran.
Das Token kann ausschließlich Prüfwerte lesen: keine Kundendaten, keine
Änderungen. Selbst wenn es abhandenkommt, ist damit nichts anzufangen.
Der Signaturschlüssel wird beim ersten Start **auf dem Gegenbuch-Rechner
erzeugt** und verlässt ihn nie.
### Wo die Daten liegen
Im Projektverzeichnis, nicht in Docker-Volumes:
```
tools/audit-notary/data/prod/
buch/ das Gegenbuch selbst (ein Git-Repository)
schluessel/ Signaturschlüssel wird beim ersten Start erzeugt
beobachtungen.jsonl was zuletzt gesehen wurde
status.txt Ergebnis des letzten Durchlaufs
```
Der Inhalt ist vom Repository ausgenommen der Signaturschlüssel gehört dort
nicht hinein. Die Verzeichnisse selbst sind über `.gitkeep` vorhanden, damit
sie nach einem `git clone` schon existieren und Docker sie nicht als `root`
anlegt.
**Ins Backup gehört genau dieses Verzeichnis.** Geht es verloren, beginnt die
Beobachtung von vorn und der nächste Lauf sagt das ausdrücklich, statt „alles
gut" zu melden.
### Überwachung
Jeder Durchlauf schreibt seinen Stand nach `data/<instanz>/status.txt`:
```
2026-08-22T16:49:50+00:00 exit=0 in Ordnung
```
**Alles außer `exit=0` gehört angesehen.** Wer eine Überwachung hat, greift
diese Datei ab; wer keine hat, schaut regelmäßig mit `docker compose logs`
hinein. Ein Alarm, den niemand liest, ist keiner.
### Was dieser Betrieb abdeckt und was nicht
**Abgedeckt:** Jemand verändert oder löscht nachträglich Einträge im CRM
auch mit direktem Datenbankzugriff. Das widerspricht dem Gegenbuch und fällt
beim nächsten Durchlauf auf.
**Nicht abgedeckt:** Jemand übernimmt den Gegenbuch-Rechner selbst. Dagegen
hülfe nur eine zusätzliche Ablage außerhalb (z. B. ein privates Git-Repository
auf einem dritten Server) das ist vorbereitet, aber für die meisten
Installationen mehr Aufwand als Nutzen. Die Erfolgsmeldung benennt diese Grenze
bei jedem Lauf, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.
---
---
# Zusätzliche Härtung: externes Repository
> **Alles ab hier gilt nur für die zweite Betriebsart.** Wer das Gegenbuch
> lokal auf einer eigenen Maschine betreibt der Normalfall, siehe oben kann
> diesen gesamten Abschnitt überspringen. Die Anforderungen darin (Git-Server,
> Rewind-Sperre, geschützte Refs) beziehen sich auf ein zusätzliches Repository
> auf einem dritten Server und existieren im lokalen Betrieb nicht.
Sinn der Variante: Beim lokalen Betrieb liegt das Buch auf demselben Rechner
wie der Signaturschlüssel. Wer diesen Rechner übernimmt, kann beides
manipulieren. Ein zusätzliches Repository auf einem dritten Server, das nur
Anhängen erlaubt, schließt auch das vorausgesetzt, dessen Regeln stimmen.
## Einrichten ohne Docker
Auf einem **anderen** Rechner als dem CRM-Server:
```bash
git clone git@host:dein/audit-gegenbuch.git
cd audit-gegenbuch
export CRM_URL=https://crm.example.de
export CRM_TOKEN=<Access-Token eines Benutzers mit audit:read>
node /pfad/zu/notary.mjs
```
Als Cronjob, stündlich:
```cron
0 * * * * cd /pfad/zum/gegenbuch && CRM_URL=https://crm.example.de \
CRM_TOKEN=... node /pfad/notary.mjs >> notary.log 2>&1
```
**Force-Push serverseitig sperren das ist Pflicht, nicht Empfehlung.**
Konkret muss der Server **non-fast-forward-Pushes verbieten** (Rewind-Schutz),
nicht nur „irgendeine" Branch-Protection. Der Grund ist nicht offensichtlich:
Das Skript prüft jede Signatur. Aber ein Angreifer mit Force-Push-Recht muss
gar nichts fälschen er kann die Reihe schlicht auf einen **älteren, echt
signierten Stand zurückspulen** und die Datenbank passend kürzen. Alle
Signaturen bleiben gültig, der Fingerabdruck stimmt, die Nummerierung ist
lückenlos. Kryptographisch ist daran nichts auszusetzen; es fehlt nur das Ende.
Ein Notar-Rechner, der die höhere Nummer noch lokal kennt, merkt es. Ein
**frischer Klon merkt es nicht** und das ist ausgerechnet der Auditoren-Fall.
Deshalb zusätzlich:
```bash
# Die zuletzt bekannte Nummer mitgeben dann fällt ein Rewind auch ohne
# lokalen Zustand auf. Das Skript nennt sie am Ende jedes Laufs.
NOTARY_MIN_SEQ=42 node notary.mjs --check
```
## Der Rewind-Wächter
Das Skript merkt sich bei jedem Lauf den beobachteten Remote-Kopf in einer
Datei **außerhalb des Klons** (Standard `~/.opencrm-notary/beobachtungen.jsonl`,
per `NOTARY_STATE_FILE` änderbar). Beim nächsten Lauf muss der neue Kopf ein
Nachfahre des alten sein. Ist er das nicht, wurde zurückgespult und zwar
**unabhängig davon, ob es einen serverseitigen Schutz gibt**.
Das ist der Grund, warum hier *kein* Probe-Push stattfindet: Ein solcher Test
würde die eigene Push-Identität messen, nicht die des Angreifers (Bypass-Rechte
für Administratoren gehen genau dann auseinander, wenn es zählt), er gälte nur
für den geprobten Ref, und die bestätigende Beobachtung wäre derselbe Vorgang
wie der Schaden. Deshalb wird das **Ereignis** erkannt statt die Regel
abgefragt.
### Das Gedächtnis liegt im Server, nicht nur auf diesem Rechner
Jeder verankerte Checkpoint bekommt zusätzlich einen eigenen unveränderlichen
Ref `refs/notary/seq-N`. Der überlebt einen Force-Push auf `main`, weil er ein
**anderer Ref** ist. Damit lässt sich die höchste je existierende Nummer aus dem
Server rekonstruieren auch wenn der lokale Beobachtungsspeicher fehlt.
Warum das nötig ist: Läge das Gedächtnis nur lokal, müsste ein Angreifer nach
einem Zurückspulen bloß diese Datei löschen. Der nächste Lauf meldete dann
„erste Beobachtung" **ein einziges** Code-3, das im Alltag neben echten
Remote-Ausfällen untergeht und würde anschließend den zurückgespulten Stand
als Ausgangspunkt übernehmen. Ab da wäre alles dauerhaft grün. Ein gutartiger
Standardzustand, den ein Angreifer gezielt herstellen kann, ist kein sicherer
Standardzustand.
> ### ⚠ Ohne serverseitigen Schutz dieser Refs bringt das Verfahren nichts
>
> `refs/notary/*` muss auf dem Server **gegen Löschen und Überschreiben**
> gesperrt sein. Das ist keine Empfehlung, sondern die tragende Voraussetzung
> genauso wie die Rewind-Sperre auf `main`.
>
> Der Grund ist eine unangenehme Asymmetrie: Das Skript kennt nur den
> **höchsten noch vorhandenen** Anker, nicht den höchsten je erzeugten. Wer
> *alle* Anker löscht, fliegt auf (Code 4). Wer nur die **obersten** löscht und
> einen niedrigeren stehen lässt, senkt damit den Vergleichswert selbst und
> in-repo ist das von „gab es nie" nicht zu unterscheiden.
>
> **Die Notar-Identität braucht dort eine eng gefasste Ausnahme:** Sie muss
> `refs/notary/*` **anlegen** dürfen, aber ausdrücklich **nicht löschen oder
> überschreiben**. Sonst hebelt eine kompromittierte Notar-Identität genau den
> Schutz aus, um den es hier geht. Server-seitig ist das unterscheidbar ein
> `pre-receive`-Hook sieht beim Anlegen die Null-OID als alten Wert:
>
> ```sh
> # refs/notary/*: nur anlegen, niemals ändern oder löschen
> case "$ref" in refs/notary/*)
> [ "$old" = "0000000000000000000000000000000000000000" ] || exit 1 ;;
> esac
> ```
>
> Deshalb begründen Anker **keine** Unversehrtheit. Sie können ein
> Zurückspulen *widerlegen* (wenn ein hoher Anker nicht mehr im Kopf steckt),
> aber nie belegen, dass nichts fehlt. Ein `--check` aus frischem Klon erkennt
> eine Anker-Löschung **nicht** es meldet dann Code 3 mit Vorbehalt, nicht 0.
### Wenn das Gedächtnis trotzdem fehlt
Das Skript unterscheidet zwei Fälle der Unterschied entscheidet alles:
| Lage | Bedeutung | Verhalten |
|---|---|---|
| kein Speicher, **keine** notarisierte Historie | echte Erstinbetriebnahme | einmalig `NOTARY_GENESIS_ACK=true`, sonst Code 4 |
| kein Speicher, **aber** Historie vorhanden | Gedächtnis ging *nach* der Etablierung verloren | **Code 4**, keine stille Übernahme; erst nach `NOTARY_ADOPT_ACK=true` |
Eine Baseline zu setzen heißt „ich verbürge mich, *das* ist der wahre Kopf".
Dieser Akt wird nicht automatisch wiederholt.
Zwei Konsequenzen für den Betrieb:
- **Die Datei gehört nicht in den Klon** und sollte möglichst auf getrenntem
Speicher liegen. Geht sie verloren, beginnt die Beobachtung von vorn der
erste Lauf danach meldet ehrlich „erste Beobachtung", nicht „alles gut".
- **Der allererste Lauf endet mit Code 3.** Was man nie gesehen hat, kann man
nicht vergleichen. Das ist kein Fehler, sondern die ehrliche Auskunft.
**`NOTARY_MIN_SEQ` ersetzt die serverseitige Sperre nicht.** Der Wert ist eine
*Untergrenze* und immer nur so frisch wie deine letzte Beobachtung. Wer
stündlich beglaubigt, aber wöchentlich prüft, läuft mit einem Wert herum, der
um rund 168 hinterherhinkt ein Zurückspulen in dieses Fenster bliebe
unbemerkt und der gewaschene Stand würde sogar ausdrücklich bestätigt.
Ist der Rewind-Schutz auf dem Server tatsächlich eingerichtet, bestätige das:
```bash
NOTARY_REWIND_PROTECTED=true
```
**Nur diese Zusicherung** blendet den Vorbehalt aus nicht die bloße Angabe
einer Zahl. Solange sie fehlt, endet jeder Lauf mit **Code 3** statt 0:
„nicht abschließend feststellbar". Das ist Absicht, denn ein Cronjob liest den
Rückgabecode, nicht den Fließtext ein Hinweis, der nur in der Ausgabe steht,
erreicht die Überwachung nie.
## Der entscheidende Punkt: es wird tatsächlich geprüft
Die erste Fassung dieses Skripts hat signiert aber **nie eine Signatur
geprüft**. Es las seine Wahrheit aus der lokalen Arbeitsdatei. Wer den
Notar-Rechner beschreiben konnte, hat ihm damit beliebige „beglaubigte"
Zeilen untergeschoben und einen abgeschnittenen Datenbestand als neue Wahrheit
festgeschrieben, ohne Alarm. Signieren ohne prüfenden Leser ist wertlos.
Deshalb gilt jetzt:
- Wahrheitsquelle ist der **signierte Commit-Baum** (bevorzugt der Remote-Kopf),
nicht die Arbeitsdatei
- **Jeder** Commit, der das Gegenbuch ändert, muss eine gültige Signatur tragen
- Weicht die Arbeitsdatei vom signierten Stand ab, wird abgebrochen
- Geschrieben wird erst nach erfolgreichem, signiertem Commit scheitert er,
wird die Datei zurückgerollt
## Voraussetzungen, die wirklich Voraussetzungen sind
- **`allowed_signers` muss den Notar-Schlüssel enthalten.** Das Skript
akzeptiert ausschließlich Signaturen, die git als `G` bewertet bei
SSH-Signaturen heißt das wörtlich „Schlüssel steht in `allowed_signers`".
Ein fremder, selbst erzeugter Schlüssel liefert `U` und wird abgelehnt.
*(Bei GPG statt SSH liefert auch ein legitimer Schlüssel ohne Ownertrust ein
`U` dann Ownertrust setzen, nicht `U` wieder zulassen.)*
- **Ein Remote muss erreichbar sein.** Ist er es nicht, bricht das Skript mit
Code 3 ab, statt dem lokalen Stand zu glauben. Ein Gegenbuch, dessen
beglaubigter Stand sich nicht feststellen lässt, gibt kein grünes Licht.
- **Genau ein Schlüssel zählt, nicht die ganze Liste.** `allowed_signers` kann
mehrere Principals enthalten ein Kollege, ein Alt-Schlüssel, eine global
geteilte Datei. Jeder davon würde sonst als „gültig" durchgehen und könnte
das Gegenbuch umschreiben. Deshalb prüft das Skript zusätzlich den
**Fingerabdruck** des Signierschlüssels.
Er wird automatisch aus `user.signingkey` abgeleitet. Lässt er sich nicht
bestimmen, bricht das Skript ab statt stillschweigend die ganze Liste zu
akzeptieren. Explizit setzen geht auch:
```bash
export NOTARY_SIGNER_FINGERPRINT=$(git log -1 --format=%GF)
```
Wichtig: exakt der `%GF`-Wert (`SHA256:…`), nicht die vollständige Ausgabe
von `ssh-keygen -lf`.
## Rückgabecodes
| Code | Bedeutung |
|---|---|
| 0 | alles in Ordnung, Checkpoint angehängt (bzw. Prüfung bestanden) |
| 1 | Betriebsfehler (Konfiguration, Commit oder Push fehlgeschlagen) |
| 2 | **Befund** Widerspruch zwischen CRM und Gegenbuch, oder ungültige Signatur |
| 5 | **Anker unvollständig** die Kette ist gültig, aber `refs/notary/seq-N` fehlt. Reparierbar durch einen Notar-Schreiblauf |
| 4 | **Wächter-Gedächtnis fehlt** Erstinbetriebnahme unbestätigt, oder Speicher nach der Etablierung verloren |
| 3 | beglaubigter Stand nicht abschließend feststellbar Remote fehlt/unerreichbar, erste Beobachtung, Zurückspulen nicht ausschließbar, **oder** Checkpoint erstellt aber nicht verankert |
Für Cron gilt: **jeder** Code außer 0 gehört gemeldet. Code 2 ist der Alarm,
Code 3 heißt „ich weiß es nicht" und das ist ausdrücklich kein Freibrief.
## Prüfmodus für Auditoren
```bash
node notary.mjs --check
```
Führt alle Kontrollen aus, **verändert nichts** und braucht kein Schreibrecht
auch dann nicht, wenn dabei ein fehlender Anker auffällt. Der wird gemeldet
(Code 5), nicht repariert; Reparieren ist Sache des Notar-Laufs.
Das ist kein Detail: Die Serversperre für `refs/notary/*` lehnt Schreibzugriffe
ja gerade ab. Würde der Prüfmodus dort nachtragen wollen, bekäme jeder
read-only prüfende Auditor dauerhaft einen Fehler auf einer völlig gültigen
Kette und könnte ihn nicht beheben.
## Anhängen ist selbst ein Beglaubigungsakt
Ein Schreiblauf erweitert nicht nur die Kette er signiert damit zugleich über
alles darunter. Deshalb prüft das Skript **vor** dem Anhängen und verweigert
es, wenn die Grundlage nicht feststeht. Sonst wäre das Anhängen selbst das
Waschmittel: eine frische Signatur über einen ungeklärten Vorzustand beglaubigt
diesen mit.
Ebenso gilt: **erstellt ist nicht verankert.** Klappt der Push nicht, endet der
Lauf mit Code 3 und der ausdrücklichen Auskunft „erstellt, aber NICHT
verankert" niemals mit 0. Der nächste Lauf hält den ungepushten Commit dann
an, bis er geklärt ist.
## Was das Skript erkennt
| Angriff | Erkennung |
|---|---|
| Beglaubigter Eintrag nachträglich verändert | Hash an der beglaubigten Position stimmt nicht mehr |
| Einträge am Ende abgeschnitten | aktuelle höchste ID kleiner als die beglaubigte |
| Bestandssiegel verschwunden | vorher beglaubigt, jetzt nicht mehr vorhanden |
| Gegenbuch selbst gekürzt | Lücke in der fortlaufenden Nummer |
| **Reihe zurückgespult (Force-Push)** | **Remote-Kopf ist kein Nachfahre des zuletzt beobachteten** |
| Gegenbuch lokal manipuliert | Arbeitsdatei weicht vom signierten Stand ab |
| Untergeschobener Commit | Commit ohne gültige Signatur in der Historie |
| Nie gepushte lokale Commits | Abgleich gegen den Remote-Kopf |
| Bestandssiegel-Blätter entfernt | beglaubigte Blattzahl auf null gefallen |
Bei jedem dieser Fälle bricht das Skript mit **Exit-Code 2** ab und **hängt
nichts an** der manipulierte Zustand wird also nicht als neue Wahrheit
festgeschrieben. Für Cron heißt das: Exit-Code überwachen, sonst geht der Alarm
im Log unter.
## Was es nicht leistet ehrlich
- **Restfenster:** Einträge zwischen dem letzten Kontrollwert und jetzt sind
noch nicht beglaubigt und am Ende fälsch- oder kürzbar. Häufigerer Lauf
verkleinert das Fenster, beseitigt es aber nicht. Das gilt für jedes
periodische Verfahren dieser Art.
- **Stiller Ausfall:** Läuft der Cronjob nicht mehr, entsteht keine Warnung im
CRM dort ist ja nichts konfiguriert. Der Ausfall muss auf dem
Gegenbuch-Rechner überwacht werden (z. B. Alarm, wenn der jüngste Commit
älter als zwei Intervalle ist).
- **`NOTARY_SIGN=false`** existiert nur für Tests ohne hinterlegten Schlüssel
und verlangt zusätzlich `NOTARY_INSECURE_ACK=…`. Der Reflex „Cron hakt, also
Signatur abschalten" soll bewusst nicht ausreichen er würde eine
ungeschützte Kette festschreiben.
- **Der Remote-Server muss Force-Push verhindern.** Das Skript prüft die
Signaturen, aber wenn jemand die Historie am Server überschreiben kann,
ersetzt er auch die signierten Commits durch eigene. Branch-Protection ist
Teil des Schutzes, nicht Zubehör.