# svc-proxy – Proxy für systemd-Dienste `svc-proxy` legt fest, über welchen Proxy ein systemd-Dienst seine Verbindungen aufbaut. Bedienen lässt es sich auf zwei Wegen: - **ncurses-Menü**: listet alle Dienste auf. Man wählt einen aus und trägt die Daten bequem ein. - **Kommandozeile**: für Skripte, Ansible, Provisionierung usw. Es gibt einen **globalen Proxy**. Alle Felder, die man bei einem Dienst leer lässt, übernehmen den globalen Wert. Explizit gesetzte Werte beim Dienst gelten vorrangig. Benutzername und Kennwort sind optional; ohne sie wird der Proxy ohne Anmeldung genutzt. Abhängigkeiten: nur `python3` (≥ 3.6) mit den Standardmodulen. `curses` ist bei Debian/Ubuntu/RHEL im Python-Paket enthalten. --- ## Installation ```bash sudo install -m 0755 svc-proxy /usr/local/sbin/svc-proxy ``` Danach `sudo svc-proxy` (Menü) oder `svc-proxy --help` (Hilfe). --- ## Funktionsweise Für jeden konfigurierten Dienst werden zwei Dateien erzeugt: | Datei | Inhalt | Rechte | |-------|--------|--------| | `/etc/systemd/system/.d/50-svc-proxy.conf` | Drop-in mit `EnvironmentFile=` | 0644 | | `/etc/svc-proxy/env/.env` | die eigentlichen Proxy-Variablen | 0600 | Die Konfiguration selbst (global + alle Dienste) liegt in `/etc/svc-proxy/config.json` (0600). Die Drop-ins und Env-Dateien werden daraus generiert und sollten nicht von Hand bearbeitet werden. Gesetzt werden die Variablen ``` http_proxy https_proxy ftp_proxy all_proxy no_proxy HTTP_PROXY HTTPS_PROXY FTP_PROXY ALL_PROXY NO_PROXY ``` > **Warum `EnvironmentFile=` und nicht `Environment=`?** > Werte aus `Environment=` kann jeder Benutzer mit `systemctl show ` > auslesen, also auch ein Proxy-Kennwort. Die Env-Datei ist nur für root lesbar. Sonderzeichen in Benutzername/Kennwort (z.B. `@`, `:`, `/`) werden automatisch URL-kodiert. ### Wichtige Einschränkung Der Proxy wirkt nur bei Programmen, die die Proxy-Umgebungsvariablen auswerten. Das tun die meisten (curl, wget, apt, pip, Python `requests`/`urllib`, Go, Node mit passenden Libs, Docker-Daemon, containerd, Git, ...). Programme, die die Variablen ignorieren (z.B. viele Java-Anwendungen ohne `-Dhttp.proxyHost`), müssen anders konfiguriert werden. Eine Netzwerk-Sperre ist das nicht: Ein Programm *kann* den Proxy umgehen. SOCKS-Proxys (`socks5://`, `socks5h://`) werden ebenfalls in alle Variablen geschrieben. Das funktioniert z.B. mit curl und Go. Manche Programme verstehen in `http_proxy` aber nur `http://`. --- ## Vererbung: Dienst ↔ global Felder: **Typ, Host, Port, Benutzer, Kennwort, No-Proxy** | Feld beim Dienst | Ergebnis | |---|---| | Typ / Host / Port / No-Proxy leer | globaler Wert | | Typ / Host / Port / No-Proxy gesetzt | Wert des Dienstes | | Benutzer leer **und** Host leer | globale Zugangsdaten | | Benutzer leer, **eigener Host** | Proxy **ohne** Anmeldung | | Benutzer gesetzt | Benutzer + Kennwort des Dienstes | Die Sonderregel für Benutzer/Kennwort verhindert, dass globale Zugangsdaten an einen fremden Proxy geschickt werden. Ändert man den globalen Proxy, werden alle Dienste, die ihn ganz oder teilweise erben, automatisch neu geschrieben. Wird der globale Proxy gelöscht, verlieren Dienste ohne eigenen Host ihren Proxy. Ihre Konfiguration bleibt aber gespeichert und wird wieder aktiv, sobald ein globaler Proxy gesetzt ist. --- ## ncurses-Menü ```bash sudo svc-proxy ``` ``` svc-proxy 1.0.0 – Proxy für systemd-Dienste Global: http://max:****@proxy.firma.local:3128 No-Proxy: localhost,127.0.0.1,::1 220 Dienste Dienst Status Proxy G cron.service active global → http://max:****@proxy.firma.local:3128 E* docker.service active eigen → socks5h://10.1.1.1:1080 nginx.service inactive ... ↑↓ Wählen Enter Bearbeiten g Global Entf Proxy entfernen / Filter c Nur konfigurierte ... ``` Markierungen: **G** = nutzt globalen Proxy, **E** = eigene Werte, **\*** = in dieser Sitzung geändert (Neustart noch offen). ### Tasten in der Liste | Taste | Funktion | |---|---| | ↑ ↓ / Bild↑ Bild↓ / Pos1 Ende | Dienst wählen | | Enter | Proxy des Dienstes bearbeiten | | g | globalen Proxy bearbeiten | | Entf / d | Proxy vom Dienst entfernen | | / | Filter (Name oder Beschreibung), Esc löscht den Filter | | c | nur konfigurierte Dienste anzeigen (an/aus) | | r | gewählten Dienst sofort neu starten | | F5 | Dienstliste neu einlesen | | F1 / ? | Hilfe | | q / F10 | Beenden | ### Tasten im Formular | Taste | Funktion | |---|---| | Tab / ↑ ↓ | Feld wechseln | | ← → / Leertaste | Proxy-Typ wählen (beim Dienst gibt es zusätzlich „global“) | | Enter | nächstes Feld bzw. Schaltfläche auslösen | | F2 | Speichern | | Strg+U | Feld leeren | | Esc | Abbrechen | Leere Felder zeigen grau den globalen Wert an. Unter dem Formular steht live die Proxy-URL, die sich ergibt. Ungültige Eingaben werden nicht gespeichert. Nach jedem Speichern läuft `systemctl daemon-reload`. Beim Beenden erscheint eine Liste der geänderten Dienste: Diese kann man an- und abwählen und neu starten lassen. --- ## Kommandozeile ``` svc-proxy [BEFEHL] [OPTIONEN] ``` | Befehl | Beschreibung | |---|---| | *(keiner)* / `tui` | Menü starten | | `list [--all]` | konfigurierte Dienste (mit `--all`: alle Dienste) | | `show [DIENST]` | effektive Werte eines Dienstes inkl. Herkunft; ohne DIENST: global | | `global [FELDER]` | globalen Proxy setzen/ändern; ohne FELDER: anzeigen | | `global --clear` | globalen Proxy löschen | | `set DIENST... [FELDER] [--reset]` | Proxy für Dienst(e) setzen/ändern | | `unset DIENST...` / `unset --all` | Proxy entfernen | | `apply` | alle Drop-ins aus der Konfiguration neu erzeugen | | `help`, `-h`, `--help` | Hilfe mit Beispielen | ### Felder | Option | Bedeutung | |---|---| | `--proxy URL` | komplette URL, z.B. `http://user:pass@proxy:3128`; setzt Typ, Host, Port, Benutzer, Kennwort | | `--type TYP` | `http`, `https`, `socks5`, `socks5h`, `socks4` | | `--host HOST` | Hostname / IP | | `--port PORT` | 1–65535 | | `--user NAME` | Benutzername | | `--password PW` | Kennwort (in `ps` sichtbar!) | | `--password-stdin` | Kennwort aus der Standardeingabe lesen (empfohlen) | | `--no-proxy LISTE` | Ausnahmen, kommagetrennt | - Bei `set` und `global` werden **nur die angegebenen Felder** geändert, der Rest bleibt. - Leerer Wert leert ein Feld: `--user ""`. - `set DIENST --reset` leert vorher alle Felder, der Dienst nutzt danach komplett den globalen Proxy. - Ein neuer Dienst ohne Felder (`set DIENST`) nutzt den globalen Proxy. - Dienstnamen ohne Endung bekommen automatisch `.service` angehängt. - Beim ersten Setzen des globalen Proxys ist No-Proxy standardmäßig `localhost,127.0.0.1,::1`. ### Neustart und Reload | Option | Wirkung | |---|---| | *(nichts)* | im Terminal Nachfrage `[j/N]`; ohne Terminal (Cron, Skript) kein Neustart | | `--restart` | geänderte Dienste ohne Nachfrage neu starten | | `--no-restart` | nicht neu starten, nicht fragen | | `--no-reload` | kein `systemctl daemon-reload` | Neu gestartet wird mit `systemctl try-restart`, also nur Dienste, die gerade laufen. Gestoppte Dienste werden nicht gestartet. ### Weitere Optionen | Option | Bedeutung | |---|---| | `--config-dir DIR` | anderes Konfigurationsverzeichnis (Standard `/etc/svc-proxy`) | | `--systemd-dir DIR` | anderes Ziel für Drop-ins (Standard `/etc/systemd/system`) | | `-V`, `--version` | Version | Mit `--config-dir`/`--systemd-dir` läuft das Skript auch ohne root. Das ist praktisch zum Testen, z.B. zusammen mit `--no-reload`. --- ## Beispiele ```bash # Menü sudo svc-proxy # Globaler Proxy ohne Anmeldung sudo svc-proxy global --proxy http://proxy.firma.local:3128 # Globaler Proxy mit Anmeldung, Kennwort nicht in der Prozessliste echo 'geheim' | sudo svc-proxy global --proxy http://proxy:3128 --user max --password-stdin # oder aus einer Datei / einem Secret-Store sudo svc-proxy global --user max --password-stdin < /root/proxy.pw # Ausnahmen für den globalen Proxy sudo svc-proxy global --no-proxy localhost,127.0.0.1,::1,.firma.local,10.0.0.0/8 # Mehrere Dienste nutzen den globalen Proxy, sofort neu starten sudo svc-proxy set docker containerd nginx --restart # Eigener SOCKS-Proxy ohne Anmeldung für einen Dienst sudo svc-proxy set myapp --proxy socks5h://10.1.1.1:1080 # Nur anderer Host, Port/Typ/No-Proxy kommen vom globalen Proxy, # keine Anmeldung (eigener Host ohne Benutzer) sudo svc-proxy set backup --host proxy2.firma.local # Nur den Port ändern sudo svc-proxy set myapp --port 1081 --no-restart # Zurück auf den globalen Proxy sudo svc-proxy set myapp --reset # Entfernen sudo svc-proxy unset myapp --restart sudo svc-proxy unset --all --no-restart # Anzeigen sudo svc-proxy list sudo svc-proxy list --all sudo svc-proxy show docker sudo svc-proxy show # globaler Proxy ``` Beispielausgabe von `show`: ``` Dienst: ssh.service Status: active Modus: eigene Werte (leere Felder = global) Proxy-Typ http (global) Host other.proxy (dienst) Port 3128 (global) Benutzer - (dienst) Kennwort - (dienst) No-Proxy localhost,127.0.0.1,::1 (global) Proxy-URL: http://other.proxy:3128 ``` ### Automatisierung (z.B. Ansible) ```yaml - name: Proxy für Docker setzen ansible.builtin.shell: > svc-proxy global --proxy http://proxy.firma.local:3128 --no-restart && svc-proxy set docker.service --restart ``` Rückgabewert: `0` bei Erfolg, `1` bei Fehler (ungültige Eingabe, fehlende Rechte, fehlgeschlagener Neustart). --- ## Prüfen, ob es wirkt ```bash systemctl cat docker.service # zeigt das Drop-in sudo cat /proc/$(systemctl show -p MainPID --value docker)/environ | tr '\0' '\n' | grep -i proxy ``` ## Deinstallation ```bash sudo svc-proxy unset --all --restart sudo rm -rf /etc/svc-proxy /usr/local/sbin/svc-proxy ```