Der Tester fragte praezise: Loest cleanup -> rehash OHNE erneutes Siegeln, ueber NICHT versiegelten Inhalt, etwas Automatisches aus - oder nur die Prosa in verify, die ein Mensch lesen muss? Gemessen statt behauptet: Es loeste bereits aus, aber als Nebenwirkung. Ein Rehash aendert jeden Hash, also stimmt der beglaubigte Kettenkopf nicht mehr und der bestehende Vergleich schlug an. Das funktioniert, ist aber ein Zufallstreffer - verschoebe sich der Anker, waere der Melder lautlos weg. Und die Meldung hiess "Eintrag wurde veraendert" statt "die Kette wurde neu berechnet", also Wirkung statt Ursache. Jetzt haengt der Alarm an der Sache selbst: Das Gegenbuch fuehrt rehashCount/rehashLast im Buch mit und meldet jede neue Neuberechnung seit der letzten Beglaubigung mit exit 2, samt Zeitpunkt, Zeilenzahl und dem Befund, der unmittelbar davor galt. Dieselbe Lehre wie R184-01 (Gate am Ausloeser statt an der Wirkung) und R185-01 (Wurzelwechsel statt valid). Reihenfolge geaendert, und das war noetig: Der neue Melder steht VOR dem Kopf-Hash-Vergleich, sonst haette immer die unpraezisere Meldung gewonnen. Und der Kopf-Vergleich wird nach einer bestaetigten Neuberechnung uebersprungen - sonst waere die Bestaetigung wertlos, weil ein Rehash den Kopf zwangslaeufig aendert. Beim Bauen aufgefallen, nicht im Entwurf. NOTARY_REHASH_ACK wird mit der ID des Rehash-Eintrags bestaetigt, nicht mit true; IDs steigen streng, ein stehen gelassener Wert passt beim naechsten Vorgang nicht mehr. Ein fehlender beglaubigter Eintrag alarmiert weiterhin immer: bestaetigt wird die Neuberechnung, nicht das Verschwinden von Zeilen. Getestet mit echtem Gegenbuch gegen ein echtes CRM, SSH-signiertes lokales Buch: Waesche ohne Datenbankzugriff -> CRM meldet valid:true und chainGaps:[], Gegenbuch exit 2 mit der Neuberechnung als Ursache. Falsche Ack-ID weiter exit 2, richtige exit 0, Folgelauf ruhig. Co-Authored-By: Claude Opus 5 (1M context) <noreply@anthropic.com>
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Gegenbuch (externe Notarisierung)
Alle Schutzmechanismen im CRM selbst – Hash-Kette, Versionsgrenze, Löschungs-Manifest, Bestandssiegel – liegen in derselben Datenbank, die sie absichern sollen. Wer dort schreiben kann, sitzt am Ende immer schon auf der Ebene, die den Beweis führt. Genau das hat der Pentest über mehrere Runden Schicht für Schicht gezeigt.
Das Gegenbuch durchbricht das: Ein zweiter Rechner holt regelmäßig einen kurzen Kontrollwert vom CRM, prüft ihn gegen seine eigene Historie und schreibt ihn signiert fort. Wird später im CRM etwas nachträglich verändert, widerspricht das dem Gegenbuch.
Zwei Betriebsarten – erst hier entscheiden
| Lokal (Normalfall) | Mit externem Repository | |
|---|---|---|
| Das Buch liegt | auf dem Gegenbuch-Rechner | zusätzlich auf einem dritten Server |
| Aufwand | Docker starten, fertig | privates Git-Repo, Schlüssel, Server-Regeln |
| Schützt gegen | jemand verändert Daten im CRM | zusätzlich: jemand übernimmt den Gegenbuch-Rechner |
Für die allermeisten Installationen ist „lokal" die richtige Wahl. Der Schutz, um den es geht – nachträgliche Änderungen im CRM auffliegen zu lassen – steht damit vollständig. Die zweite Variante deckt einen Angreifer ab, der zusätzlich den Gegenbuch-Rechner übernimmt; sie kostet spürbar mehr Einrichtung und laufende Aufmerksamkeit.
Diese Anleitung beschreibt zuerst den lokalen Betrieb. Alles zur zweiten Variante steht gesammelt unter „Zusätzliche Härtung" weiter unten – wer lokal betreibt, kann diesen ganzen Teil überspringen.
Die eine nicht verhandelbare Bedingung
Der Signaturschlüssel und das Push-Recht dürfen nicht in den Deploy-Secrets des CRM liegen. Sonst ist der zweite Schlüssel im selben Zugriffsbereich wie der erste – es sieht nach doppeltem Boden aus und ist keiner. Das CRM braucht für dieses Verfahren gar nichts zu wissen: Es liefert nur einen lesbaren Kontrollwert, der keine Geheimnisse enthält.
Einrichten mit Docker (empfohlen)
Auf dem Gegenbuch-Rechner – nicht auf dem CRM-Server:
git clone <dieses Repository> opencrm
cd opencrm/tools/audit-notary
cp .env.example .env
# .env ausfüllen: CRM-Adresse und Token eintragen
docker compose up -d
Erster Start – drei Schritte
Beim allerersten Lauf meldet der Container exit=4 und verlangt eine
Bestätigung. Das ist Absicht: Der erste Eintrag legt fest, was als
Ausgangszustand gilt.
# 1. In der .env freigeben
STAGING_GENESIS_ACK=true
# 2. Neu starten (kein --build nötig, nur die Umgebung ändert sich)
docker compose up -d && docker compose logs -f
# Erwartet: "OK: Checkpoint 1 erstellt" und exit=3
# exit=3 ist hier richtig – beim ersten Mal gibt es nichts zu vergleichen.
# 3. Wieder leeren und erneut starten
STAGING_GENESIS_ACK=
docker compose up -d
Ab dem nächsten Durchlauf steht dort exit=0 (in Ordnung).
Warum Schritt 3 wichtig ist: Bleibt die Zeile auf true, würde der
Container nach einem Verlust des Datenverzeichnisses stillschweigend eine neue
Grundlage setzen, statt zu fragen – genau davor schützt die Abfrage.
Für Produktion später dasselbe mit PROD_GENESIS_ACK. Schnell nachsehen ohne
Logs: cat data/staging/status.txt.
Beim ersten Start einmalig PROD_GENESIS_ACK=true setzen (und danach wieder
leeren) – die erste Eintragung legt fest, was als Ausgangszustand gilt, und das
soll nicht versehentlich passieren.
Zwei Bücher auf einer Maschine sind vorgesehen: prod und staging sind
getrennte Dienste mit getrennten Verzeichnissen und getrennten Schlüsseln.
Welche laufen, steuert COMPOSE_PROFILES in der .env.
Wenn der erste Lauf exit=2 meldet: den Altbestand versiegeln
Ein CRM, das schon länger läuft, hat fast immer einen Altbestand – Einträge
aus der Zeit, bevor das Protokoll signiert wurde. Solange der nicht versiegelt
ist, meldet die Prüfung valid: false, und das Gegenbuch schlägt zu Recht
Alarm. Typischerweise steht dann im Log:
Hinweis: Der Altbestand ist nicht versiegelt – Änderungen daran wären
nicht erkennbar.
Das ist einmalig zu erledigen, im CRM, nicht hier:
TOKEN=$(curl -s -X POST https://<crm>/api/auth/login \
-H 'Content-Type: application/json' \
-d '{"email":"…","password":"…"}' | jq -r '.data.token')
curl -s -X POST https://<crm>/api/audit-logs/seal-backlog \
-H "Authorization: Bearer $TOKEN" -H 'Content-Type: application/json' \
-d '{"confirm":"SEAL"}' | jq
Dafür braucht es das Recht audit:admin – das Gegenbuch-Dienstkonto hat es
absichtlich nicht. Nimm dein Administratorkonto.
Zuerst nachsehen, was versiegelt wird. Das Siegel schreibt den aktuellen Zustand fest, samt aller vorhandenen Lücken. Wer blind siegelt, beglaubigt gegebenenfalls auch eine Lücke, die von einer Löschung stammt. Deshalb vorher:
curl -s -X POST https://<crm>/api/audit-logs/verify \
-H "Authorization: Bearer $TOKEN" \
| jq '.data | {valid, chainGaps, unexplainedGaps, tamperedEntries}'
Stehen dort Lücken, sieh dir die betroffenen IDs und ihre Nachbarn an
(GET /api/audit-logs/<id>). Liegen sie jeweils innerhalb einer Sekunde
zusammen mit ihren Nachbarn und fehlt kein Eintrag (kein 404), sind es
Schreibkollisionen aus paralleln Anfragen – harmlos. Fehlt dagegen ein Eintrag
oder steht etwas in tamperedEntries, erst klären, dann siegeln.
Nach dem Siegeln meldet die Prüfung wieder valid: true, und die bekannten
Alt-Lücken erscheinen als beglaubigt:
Alle Einträge sind unverändert. Seit dem Bestandssiegel ist keine neue
Lücke entstanden. 6 Lücken stammen aus der Zeit vor dem Bestandssiegel
und sind darin als Vorbefund beglaubigt (IDs …).
Sie verschwinden also nicht aus dem Bericht – sie zählen nur nicht mehr als offener Befund. Jede neue Lücke, jede veränderte oder entfernte Altzeile und jedes gebrochene Siegel lösen weiterhin sofort Alarm aus.
Wenn sich die Siegelwurzel ändert: Alarm, und warum
Erneutes Siegeln ersetzt die Grundlage, gegen die Manipulation nachgewiesen
wird. Wer eine Altzeile per Datenbankzugriff entfernt und danach neu siegelt,
bekommt eine passende Wurzel und eine beglaubigte Lücke — und die Prüfung im
CRM meldet wieder valid: true. Der Wechsel der Wurzel ist die einzige Spur
davon, die eine Maschine sehen kann.
Deshalb ist er ein Alarm (exit 2), kein Hinweis. Vorher stand hier eine Zeile Prosa, während der Rückgabecode auf 0 blieb — also genau das Muster, das wir dem CRM selbst zweimal angekreidet haben.
Der Alarm nennt die alte und die neue Wurzel samt Blattzahl. Ein Sprung von
10 Blätter auf 9 Blätter sagt sofort, was passiert ist.
War der Wechsel gewollt (typisch: dein einmaliges Erstsiegeln), bestätigst du ihn mit der Wurzel, die der Alarm ausgibt:
# in der .env
PROD_SEAL_ACK=72062c88a8b6e2b53b30496b483885cd
docker compose up -d # ein Lauf – die neue Wurzel wird beglaubigt
PROD_SEAL_ACK= # danach wieder leeren
Bestätigt wird bewusst nicht mit true, sondern mit der Wurzel selbst.
Ein versehentlich stehen gelassener Wert passt beim nächsten Wechsel nicht mehr
und kann deshalb keinen weiteren Austausch stillschweigend durchwinken.
War er nicht gewollt, sieh im CRM nach: das Sicherheits-Ereignis
AUDIT_SEAL_CHANGED (Einstellungen → Monitoring) und die CRITICAL-Zeile zu
/api/audit-logs/seal-backlog im Audit-Protokoll nennen Konto, Zeitpunkt und
den Befund, der vor dem Siegeln galt.
Im CRM selbst ist erneutes Siegeln zusätzlich gegatet: es verlangt
{"confirm":"RESEAL"} statt {"confirm":"SEAL"} — ein Austausch der
Beweisgrundlage soll nicht dasselbe Wort haben wie das Einrichten.
Wenn die Kette neu berechnet wurde: ebenfalls Alarm
Ein Rehash verknüpft alle Einträge neu. Danach ist die Kette
zwangsläufig stimmig — auch über Löschungen hinweg, die vorher als Lücken
sichtbar gewesen wären. Die Reihenfolge cleanup → rehash macht aus einem
beschnittenen Protokoll ein scheinbar makelloses, und die Prüfung im CRM meldet
danach wieder „lückenlos verkettet". Beides braucht nur audit:admin, keinen
Datenbankzugriff.
Genau das ist im Betrieb vorgekommen: Auf einer Testinstanz wurden 3.155 Einträge gelöscht und anschließend neu berechnet. Die Prüfung war danach grün, die 656 Kettenlücken standen nur noch im Vorbefund des Rehash-Eintrags — den niemand liest. Das Gegenbuch war der einzige Zeuge.
Deshalb ist eine neue Neuberechnung seit der letzten Beglaubigung ein Alarm (exit 2). Er nennt Zeitpunkt, Zahl der betroffenen Zeilen und den Befund, der unmittelbar davor galt:
ALARM: Die Hash-Kette wurde neu berechnet (1 neuer Vorgang seit der letzten Beglaubigung).
zuletzt: 2026-08-26T16:28:25.467Z (Eintrag 13, 9 Zeilen)
Befund unmittelbar davor: 1 beanstandet, 1 Lücken
…
NOTARY_REHASH_ACK=13
War die Neuberechnung gewollt, bestätigst du sie mit der genannten ID:
# in der .env
PROD_REHASH_ACK=13
docker compose up -d
PROD_REHASH_ACK= # danach wieder leeren
Auch hier wird nicht mit true bestätigt, sondern mit einem Wert, der zum
Vorgang gehört. IDs steigen streng — ein stehen gelassener Wert passt bei der
nächsten Neuberechnung nicht mehr.
Warum ein eigener Melder, wo doch schon der Kettenkopf verglichen wird? Eine Neuberechnung ändert jeden Hash, der beglaubigte Kopf stimmt also ohnehin nicht mehr — der Alarm käme auch so. Aber als Nebenwirkung, nicht als gebaute Warnung: Verschöbe sich der Anker irgendwann, wäre der Melder lautlos weg. Und die Meldung hieße „Eintrag wurde verändert" statt „die Kette wurde neu berechnet" — die Wirkung statt der Ursache. Deshalb hängt der Alarm an der Sache selbst und steht vor dem Kopf-Vergleich; nach einer bestätigten Neuberechnung wird dieser übersprungen, weil der veränderte Kopf dann die erwartete Folge ist.
Ein fehlender beglaubigter Eintrag bleibt davon unberührt und alarmiert immer: Bestätigt wird die Neuberechnung, nicht das Verschwinden von Zeilen.
Zugang einrichten (das brauchst du vorher)
Das Gegenbuch braucht ein eigenes Benutzerkonto im CRM – kein Token. Der Grund: Zugangstoken laufen nach 15 Minuten ab und wären beim nächsten stündlichen Durchlauf längst ungültig. Das Gegenbuch meldet sich deshalb bei jedem Lauf selbst an.
Im CRM, als Administrator:
- Benutzer anlegen, z. B.
gegenbuch@deine-domain.de, mit einem langen, zufälligen Passwort. - Ihm die Rolle
Gegenbuchgeben – nur diese. Sie bringt genau ein Recht mit:audit:read. - Zusätzlich „Dienstkonto" ankreuzen. Dann gelten seine Anmeldungen als Routine statt als kritisches Ereignis – und sein Ausbleiben wird gemeldet.
- E-Mail und Passwort in die
.envdes Gegenbuchs eintragen (PROD_CRM_EMAIL/PROD_CRM_PASSWORD).
Weder den DSGVO- noch den Audit-Betrieb-Haken setzen. Der DSGVO-Haken gibt zusätzlich Leserechte auf personenbezogene Daten und den Export; der Haken „Audit-Betrieb" gibt
audit:adminmitseal-backlog,rehashundcleanup. Ein Einbruch auf dieser Maschine hätte damit nicht nur den Wächter, sondern gleich die Mittel, das Bewachte umzuschreiben. Das Passwort steht hier im Klartext in der.env; es muss so wenig wert sein wie möglich.
Mit audit:read allein kann dieses Konto nur Prüfwerte lesen – keine
Kundendaten, keine Verträge, nichts ändern und nichts versiegeln. Selbst wenn
die Zugangsdaten abhandenkommen, ist damit nichts anzufangen.
Gegenprobe nach dem Einrichten – 200, dann dreimal 403:
B="Authorization: Bearer $TOKEN"
curl -s -o /dev/null -w 'checkpoint %{http_code}\n' https://<crm>/api/audit-logs/checkpoint -H "$B"
curl -s -o /dev/null -w 'export %{http_code}\n' https://<crm>/api/audit-logs/export -H "$B"
curl -s -o /dev/null -w 'seal-backlog %{http_code}\n' -X POST https://<crm>/api/audit-logs/seal-backlog -H "$B" -H 'Content-Type: application/json' -d '{}'
curl -s -o /dev/null -w 'kunden %{http_code}\n' https://<crm>/api/customers -H "$B"
Der Export gehört ausdrücklich dazu: Er liefert changesBefore/changesAfter,
also die vollständigen Vorher/Nachher-Datensätze samt Klartextnamen. Prüfwerte
lesen und das Protokoll herausziehen sind zwei verschiedene Dinge – deshalb
hängt der Export an audit:export, das die Rolle Gegenbuch nicht hat.
Für Produktion und Test jeweils ein eigenes Konto in der jeweiligen Instanz.
Jede Anmeldung erscheint im Audit-Log der jeweiligen Instanz. Das ist so gewollt: Man sieht, dass das Gegenbuch arbeitet – und wenn es aufhört, fällt auch das auf.
Wer redet mit wem
Gegenbuch ──holt lesend──> OpenCRM (HTTPS, Konto nur mit audit:read)
OpenCRM ─────────────────> (kennt das Gegenbuch nicht)
Das ist der eigentliche Schutz. Das Gegenbuch holt – es lässt sich nichts schicken. OpenCRM kennt weder Adresse noch Schlüssel des Gegenbuchs. Wer OpenCRM übernimmt, kommt hier nicht heran.
Das Token kann ausschließlich Prüfwerte lesen: keine Kundendaten, keine Änderungen. Selbst wenn es abhandenkommt, ist damit nichts anzufangen.
Der Signaturschlüssel wird beim ersten Start auf dem Gegenbuch-Rechner erzeugt und verlässt ihn nie.
Wo die Daten liegen
Im Projektverzeichnis, nicht in Docker-Volumes:
tools/audit-notary/data/prod/
buch/ das Gegenbuch selbst (ein Git-Repository)
schluessel/ Signaturschlüssel – wird beim ersten Start erzeugt
beobachtungen.jsonl was zuletzt gesehen wurde
status.txt Ergebnis des letzten Durchlaufs
Der Inhalt ist vom Repository ausgenommen – der Signaturschlüssel gehört dort nicht hinein.
Zu Dateirechten: Der Container startet kurz als root, setzt das
Datenverzeichnis auf den Arbeitsbenutzer um und gibt die Privilegien dann ab.
Das ist nötig, weil das Verzeichnis vom Host kommt – wer das Projekt als root
geklont hat, hätte sonst ein Verzeichnis, in das der Container nicht schreiben
darf. Passiert automatisch, du musst nichts tun. Ein anderer Zielbenutzer geht
über PUID/PGID. Die Verzeichnisse selbst sind über .gitkeep vorhanden, damit
sie nach einem git clone schon existieren und Docker sie nicht als root
anlegt.
Ins Backup gehört genau dieses Verzeichnis. Geht es verloren, beginnt die Beobachtung von vorn – und der nächste Lauf sagt das ausdrücklich, statt „alles gut" zu melden.
Überwachung
Jeder Durchlauf schreibt seinen Stand nach data/<instanz>/status.txt:
2026-08-22T16:49:50+00:00 exit=0 in Ordnung
Alles außer exit=0 gehört angesehen. Wer eine Überwachung hat, greift
diese Datei ab; wer keine hat, schaut regelmäßig mit docker compose logs
hinein. Ein Alarm, den niemand liest, ist keiner.
Was dieser Betrieb abdeckt – und was nicht
Abgedeckt: Jemand verändert oder löscht nachträglich Einträge im CRM – auch mit direktem Datenbankzugriff. Das widerspricht dem Gegenbuch und fällt beim nächsten Durchlauf auf.
Nicht abgedeckt: Jemand übernimmt den Gegenbuch-Rechner selbst. Dagegen hülfe nur eine zusätzliche Ablage außerhalb (z. B. ein privates Git-Repository auf einem dritten Server) – das ist vorbereitet, aber für die meisten Installationen mehr Aufwand als Nutzen. Die Erfolgsmeldung benennt diese Grenze bei jedem Lauf, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.
Zusätzliche Härtung: externes Repository
Alles ab hier gilt nur für die zweite Betriebsart. Wer das Gegenbuch lokal auf einer eigenen Maschine betreibt – der Normalfall, siehe oben – kann diesen gesamten Abschnitt überspringen. Die Anforderungen darin (Git-Server, Rewind-Sperre, geschützte Refs) beziehen sich auf ein zusätzliches Repository auf einem dritten Server und existieren im lokalen Betrieb nicht.
Sinn der Variante: Beim lokalen Betrieb liegt das Buch auf demselben Rechner wie der Signaturschlüssel. Wer diesen Rechner übernimmt, kann beides manipulieren. Ein zusätzliches Repository auf einem dritten Server, das nur Anhängen erlaubt, schließt auch das – vorausgesetzt, dessen Regeln stimmen.
Einrichten ohne Docker
Auf einem anderen Rechner als dem CRM-Server:
git clone git@host:dein/audit-gegenbuch.git
cd audit-gegenbuch
export CRM_URL=https://crm.example.de
export CRM_TOKEN=<Access-Token eines Benutzers mit audit:read>
node /pfad/zu/notary.mjs
Als Cronjob, stündlich:
0 * * * * cd /pfad/zum/gegenbuch && CRM_URL=https://crm.example.de \
CRM_TOKEN=... node /pfad/notary.mjs >> notary.log 2>&1
Force-Push serverseitig sperren – das ist Pflicht, nicht Empfehlung.
Konkret muss der Server non-fast-forward-Pushes verbieten (Rewind-Schutz), nicht nur „irgendeine" Branch-Protection. Der Grund ist nicht offensichtlich:
Das Skript prüft jede Signatur. Aber ein Angreifer mit Force-Push-Recht muss gar nichts fälschen – er kann die Reihe schlicht auf einen älteren, echt signierten Stand zurückspulen und die Datenbank passend kürzen. Alle Signaturen bleiben gültig, der Fingerabdruck stimmt, die Nummerierung ist lückenlos. Kryptographisch ist daran nichts auszusetzen; es fehlt nur das Ende.
Ein Notar-Rechner, der die höhere Nummer noch lokal kennt, merkt es. Ein frischer Klon merkt es nicht – und das ist ausgerechnet der Auditoren-Fall.
Deshalb zusätzlich:
# Die zuletzt bekannte Nummer mitgeben – dann fällt ein Rewind auch ohne
# lokalen Zustand auf. Das Skript nennt sie am Ende jedes Laufs.
NOTARY_MIN_SEQ=42 node notary.mjs --check
Der Rewind-Wächter
Das Skript merkt sich bei jedem Lauf den beobachteten Remote-Kopf in einer
Datei außerhalb des Klons (Standard ~/.opencrm-notary/beobachtungen.jsonl,
per NOTARY_STATE_FILE änderbar). Beim nächsten Lauf muss der neue Kopf ein
Nachfahre des alten sein. Ist er das nicht, wurde zurückgespult – und zwar
unabhängig davon, ob es einen serverseitigen Schutz gibt.
Das ist der Grund, warum hier kein Probe-Push stattfindet: Ein solcher Test würde die eigene Push-Identität messen, nicht die des Angreifers (Bypass-Rechte für Administratoren gehen genau dann auseinander, wenn es zählt), er gälte nur für den geprobten Ref, und die bestätigende Beobachtung wäre derselbe Vorgang wie der Schaden. Deshalb wird das Ereignis erkannt statt die Regel abgefragt.
Das Gedächtnis liegt im Server, nicht nur auf diesem Rechner
Jeder verankerte Checkpoint bekommt zusätzlich einen eigenen unveränderlichen
Ref refs/notary/seq-N. Der überlebt einen Force-Push auf main, weil er ein
anderer Ref ist. Damit lässt sich die höchste je existierende Nummer aus dem
Server rekonstruieren – auch wenn der lokale Beobachtungsspeicher fehlt.
Warum das nötig ist: Läge das Gedächtnis nur lokal, müsste ein Angreifer nach einem Zurückspulen bloß diese Datei löschen. Der nächste Lauf meldete dann „erste Beobachtung" – ein einziges Code-3, das im Alltag neben echten Remote-Ausfällen untergeht – und würde anschließend den zurückgespulten Stand als Ausgangspunkt übernehmen. Ab da wäre alles dauerhaft grün. Ein gutartiger Standardzustand, den ein Angreifer gezielt herstellen kann, ist kein sicherer Standardzustand.
⚠ Ohne serverseitigen Schutz dieser Refs bringt das Verfahren nichts
refs/notary/*muss auf dem Server gegen Löschen und Überschreiben gesperrt sein. Das ist keine Empfehlung, sondern die tragende Voraussetzung – genauso wie die Rewind-Sperre aufmain.Der Grund ist eine unangenehme Asymmetrie: Das Skript kennt nur den höchsten noch vorhandenen Anker, nicht den höchsten je erzeugten. Wer alle Anker löscht, fliegt auf (Code 4). Wer nur die obersten löscht und einen niedrigeren stehen lässt, senkt damit den Vergleichswert selbst – und in-repo ist das von „gab es nie" nicht zu unterscheiden.
Die Notar-Identität braucht dort eine eng gefasste Ausnahme: Sie muss
refs/notary/*anlegen dürfen, aber ausdrücklich nicht löschen oder überschreiben. Sonst hebelt eine kompromittierte Notar-Identität genau den Schutz aus, um den es hier geht. Server-seitig ist das unterscheidbar – einpre-receive-Hook sieht beim Anlegen die Null-OID als alten Wert:# refs/notary/*: nur anlegen, niemals ändern oder löschen case "$ref" in refs/notary/*) [ "$old" = "0000000000000000000000000000000000000000" ] || exit 1 ;; esacDeshalb begründen Anker keine Unversehrtheit. Sie können ein Zurückspulen widerlegen (wenn ein hoher Anker nicht mehr im Kopf steckt), aber nie belegen, dass nichts fehlt. Ein
--checkaus frischem Klon erkennt eine Anker-Löschung nicht – es meldet dann Code 3 mit Vorbehalt, nicht 0.
Wenn das Gedächtnis trotzdem fehlt
Das Skript unterscheidet zwei Fälle – der Unterschied entscheidet alles:
| Lage | Bedeutung | Verhalten |
|---|---|---|
| kein Speicher, keine notarisierte Historie | echte Erstinbetriebnahme | einmalig NOTARY_GENESIS_ACK=true, sonst Code 4 |
| kein Speicher, aber Historie vorhanden | Gedächtnis ging nach der Etablierung verloren | Code 4, keine stille Übernahme; erst nach NOTARY_ADOPT_ACK=true |
Eine Baseline zu setzen heißt „ich verbürge mich, das ist der wahre Kopf". Dieser Akt wird nicht automatisch wiederholt.
Zwei Konsequenzen für den Betrieb:
- Die Datei gehört nicht in den Klon und sollte möglichst auf getrenntem Speicher liegen. Geht sie verloren, beginnt die Beobachtung von vorn – der erste Lauf danach meldet ehrlich „erste Beobachtung", nicht „alles gut".
- Der allererste Lauf endet mit Code 3. Was man nie gesehen hat, kann man nicht vergleichen. Das ist kein Fehler, sondern die ehrliche Auskunft.
NOTARY_MIN_SEQ ersetzt die serverseitige Sperre nicht. Der Wert ist eine
Untergrenze und immer nur so frisch wie deine letzte Beobachtung. Wer
stündlich beglaubigt, aber wöchentlich prüft, läuft mit einem Wert herum, der
um rund 168 hinterherhinkt – ein Zurückspulen in dieses Fenster bliebe
unbemerkt und der gewaschene Stand würde sogar ausdrücklich bestätigt.
Ist der Rewind-Schutz auf dem Server tatsächlich eingerichtet, bestätige das:
NOTARY_REWIND_PROTECTED=true
Nur diese Zusicherung blendet den Vorbehalt aus – nicht die bloße Angabe einer Zahl. Solange sie fehlt, endet jeder Lauf mit Code 3 statt 0: „nicht abschließend feststellbar". Das ist Absicht, denn ein Cronjob liest den Rückgabecode, nicht den Fließtext – ein Hinweis, der nur in der Ausgabe steht, erreicht die Überwachung nie.
Der entscheidende Punkt: es wird tatsächlich geprüft
Die erste Fassung dieses Skripts hat signiert – aber nie eine Signatur geprüft. Es las seine Wahrheit aus der lokalen Arbeitsdatei. Wer den Notar-Rechner beschreiben konnte, hat ihm damit beliebige „beglaubigte" Zeilen untergeschoben und einen abgeschnittenen Datenbestand als neue Wahrheit festgeschrieben, ohne Alarm. Signieren ohne prüfenden Leser ist wertlos.
Deshalb gilt jetzt:
- Wahrheitsquelle ist der signierte Commit-Baum (bevorzugt der Remote-Kopf), nicht die Arbeitsdatei
- Jeder Commit, der das Gegenbuch ändert, muss eine gültige Signatur tragen
- Weicht die Arbeitsdatei vom signierten Stand ab, wird abgebrochen
- Geschrieben wird erst nach erfolgreichem, signiertem Commit – scheitert er, wird die Datei zurückgerollt
Voraussetzungen, die wirklich Voraussetzungen sind
-
allowed_signersmuss den Notar-Schlüssel enthalten. Das Skript akzeptiert ausschließlich Signaturen, die git alsGbewertet – bei SSH-Signaturen heißt das wörtlich „Schlüssel steht inallowed_signers". Ein fremder, selbst erzeugter Schlüssel liefertUund wird abgelehnt. (Bei GPG statt SSH liefert auch ein legitimer Schlüssel ohne Ownertrust einU– dann Ownertrust setzen, nichtUwieder zulassen.) -
Ein Remote muss erreichbar sein. Ist er es nicht, bricht das Skript mit Code 3 ab, statt dem lokalen Stand zu glauben. Ein Gegenbuch, dessen beglaubigter Stand sich nicht feststellen lässt, gibt kein grünes Licht.
-
Genau ein Schlüssel zählt, nicht die ganze Liste.
allowed_signerskann mehrere Principals enthalten – ein Kollege, ein Alt-Schlüssel, eine global geteilte Datei. Jeder davon würde sonst als „gültig" durchgehen und könnte das Gegenbuch umschreiben. Deshalb prüft das Skript zusätzlich den Fingerabdruck des Signierschlüssels.Er wird automatisch aus
user.signingkeyabgeleitet. Lässt er sich nicht bestimmen, bricht das Skript ab – statt stillschweigend die ganze Liste zu akzeptieren. Explizit setzen geht auch:export NOTARY_SIGNER_FINGERPRINT=$(git log -1 --format=%GF)Wichtig: exakt der
%GF-Wert (SHA256:…), nicht die vollständige Ausgabe vonssh-keygen -lf.
Rückgabecodes
| Code | Bedeutung |
|---|---|
| 0 | alles in Ordnung, Checkpoint angehängt (bzw. Prüfung bestanden) |
| 1 | Betriebsfehler (Konfiguration, Commit oder Push fehlgeschlagen) |
| 2 | Befund – Widerspruch zwischen CRM und Gegenbuch, ungültige Signatur, oder die Wurzel des Bestandssiegels hat sich geändert (NOTARY_SEAL_ACK) |
| 5 | Anker unvollständig – die Kette ist gültig, aber refs/notary/seq-N fehlt. Reparierbar durch einen Notar-Schreiblauf |
| 4 | Wächter-Gedächtnis fehlt – Erstinbetriebnahme unbestätigt, oder Speicher nach der Etablierung verloren |
| 3 | beglaubigter Stand nicht abschließend feststellbar – Remote fehlt/unerreichbar, erste Beobachtung, Zurückspulen nicht ausschließbar, oder Checkpoint erstellt aber nicht verankert |
Für Cron gilt: jeder Code außer 0 gehört gemeldet. Code 2 ist der Alarm, Code 3 heißt „ich weiß es nicht" – und das ist ausdrücklich kein Freibrief.
Prüfmodus für Auditoren
node notary.mjs --check
Führt alle Kontrollen aus, verändert nichts und braucht kein Schreibrecht – auch dann nicht, wenn dabei ein fehlender Anker auffällt. Der wird gemeldet (Code 5), nicht repariert; Reparieren ist Sache des Notar-Laufs.
Das ist kein Detail: Die Serversperre für refs/notary/* lehnt Schreibzugriffe
ja gerade ab. Würde der Prüfmodus dort nachtragen wollen, bekäme jeder
read-only prüfende Auditor dauerhaft einen Fehler auf einer völlig gültigen
Kette – und könnte ihn nicht beheben.
Anhängen ist selbst ein Beglaubigungsakt
Ein Schreiblauf erweitert nicht nur die Kette – er signiert damit zugleich über alles darunter. Deshalb prüft das Skript vor dem Anhängen und verweigert es, wenn die Grundlage nicht feststeht. Sonst wäre das Anhängen selbst das Waschmittel: eine frische Signatur über einen ungeklärten Vorzustand beglaubigt diesen mit.
Ebenso gilt: erstellt ist nicht verankert. Klappt der Push nicht, endet der Lauf mit Code 3 und der ausdrücklichen Auskunft „erstellt, aber NICHT verankert" – niemals mit 0. Der nächste Lauf hält den ungepushten Commit dann an, bis er geklärt ist.
Was das Skript erkennt
| Angriff | Erkennung |
|---|---|
| Beglaubigter Eintrag nachträglich verändert | Hash an der beglaubigten Position stimmt nicht mehr |
| Einträge am Ende abgeschnitten | aktuelle höchste ID kleiner als die beglaubigte |
| Bestandssiegel verschwunden | vorher beglaubigt, jetzt nicht mehr vorhanden |
| Gegenbuch selbst gekürzt | Lücke in der fortlaufenden Nummer |
| Reihe zurückgespult (Force-Push) | Remote-Kopf ist kein Nachfahre des zuletzt beobachteten |
| Gegenbuch lokal manipuliert | Arbeitsdatei weicht vom signierten Stand ab |
| Untergeschobener Commit | Commit ohne gültige Signatur in der Historie |
| Nie gepushte lokale Commits | Abgleich gegen den Remote-Kopf |
| Bestandssiegel-Blätter entfernt | beglaubigte Blattzahl auf null gefallen |
| Altzeile gelöscht und neu gesiegelt (Wäsche) | Wurzel des Bestandssiegels hat gewechselt – valid allein bleibt dabei true |
| Erstmals gesiegelt, ohne dass es jemand veranlasst hat | vorher keine Wurzel beglaubigt, jetzt eine |
cleanup + rehash ohne erneutes Siegeln (Wäsche ohne Datenbankzugriff) |
neue Neuberechnung seit der letzten Beglaubigung – valid und Kette sind danach makellos |
Bei jedem dieser Fälle bricht das Skript mit Exit-Code 2 ab und hängt nichts an – der manipulierte Zustand wird also nicht als neue Wahrheit festgeschrieben. Für Cron heißt das: Exit-Code überwachen, sonst geht der Alarm im Log unter.
Was es nicht leistet – ehrlich
- Restfenster: Einträge zwischen dem letzten Kontrollwert und jetzt sind noch nicht beglaubigt und am Ende fälsch- oder kürzbar. Häufigerer Lauf verkleinert das Fenster, beseitigt es aber nicht. Das gilt für jedes periodische Verfahren dieser Art.
- Stiller Ausfall: Läuft der Cronjob nicht mehr, entsteht keine Warnung im CRM – dort ist ja nichts konfiguriert. Der Ausfall muss auf dem Gegenbuch-Rechner überwacht werden (z. B. Alarm, wenn der jüngste Commit älter als zwei Intervalle ist).
NOTARY_SIGN=falseexistiert nur für Tests ohne hinterlegten Schlüssel und verlangt zusätzlichNOTARY_INSECURE_ACK=…. Der Reflex „Cron hakt, also Signatur abschalten" soll bewusst nicht ausreichen – er würde eine ungeschützte Kette festschreiben.- Der Remote-Server muss Force-Push verhindern. Das Skript prüft die Signaturen, aber wenn jemand die Historie am Server überschreiben kann, ersetzt er auch die signierten Commits durch eigene. Branch-Protection ist Teil des Schutzes, nicht Zubehör.