Das Signatur-Gate faengt Force-Push mit fremder oder unsignierter Historie - aber ein Rewind auf einen aelteren, echt signierten Stand ist signaturseitig einwandfrei. Angreifer spult origin/main auf einen frueheren Checkpoint zurueck und kuerzt die Datenbank passend: alle Signaturen G, Pin korrekt, Reihe lueckenlos. Ein Notar-Klon mit lokalem Vorlauf merkt es, ein frischer Auditoren-Klon meldete OK - ausgerechnet im dokumentierten Pruef-Fall. Das laesst sich im Skript nicht kryptographisch erkennen, die Historie ist echt. Deshalb zwei Dinge statt eines Scheinfixes: NOTARY_MIN_SEQ als Bezugspunkt (ist die Reihe kuerzer, Alarm; jeder Lauf nennt die Nummer), und ohne diesen Bezugspunkt sagt die Erfolgsmeldung ausdruecklich, dass ein Zurueckspulen nicht erkennbar war. README: serverseitiger Rewind-Schutz (non-fast-forward verbieten) jetzt als Pflicht formuliert, samt Begruendung und dem Hinweis, dass ein frischer Klon den Rewind nicht sieht. Kleinkram: NOTARY_SIGNER_FINGERPRINT wird beim Einlesen getrimmt (ein Zeilenumbruch loeste 4/4 Fehlalarme aus, die auf den korrekten Fingerabdruck zeigten); die "nie gepusht"-Meldung priorisiert Untersuchen statt Pushen. Beim Testen selbst gefunden: der erste git-Aufruf war ungeschuetzt und warf bei kaputtem Klon einen Stacktrace. Verifiziert: Rewind 3->1 mit gekuerzter DB -> frischer Klon ohne Bezugspunkt OK mit Vorbehalt, mit NOTARY_MIN_SEQ=3 -> Alarm exit 2; Pin mit Zeilenumbruch kein Fehlalarm; regulaerer Lauf unveraendert. Co-Authored-By: Claude Opus 5 <noreply@anthropic.com>
Gegenbuch (externe Notarisierung)
Alle Schutzmechanismen im CRM selbst – Hash-Kette, Versionsgrenze, Löschungs-Manifest, Bestandssiegel – liegen in derselben Datenbank, die sie absichern sollen. Wer dort schreiben kann, sitzt am Ende immer schon auf der Ebene, die den Beweis führt. Genau das hat der Pentest über mehrere Runden Schicht für Schicht gezeigt.
Das Gegenbuch durchbricht das: Ein zweiter Rechner holt regelmäßig einen kurzen Kontrollwert vom CRM, prüft ihn gegen seine eigene Historie und hängt ihn signiert an ein privates Repository an.
Die eine nicht verhandelbare Bedingung
Der Signaturschlüssel und das Push-Recht dürfen nicht in den Deploy-Secrets des CRM liegen. Sonst ist der zweite Schlüssel im selben Zugriffsbereich wie der erste – es sieht nach doppeltem Boden aus und ist keiner. Das CRM braucht für dieses Verfahren gar nichts zu wissen: Es liefert nur einen lesbaren Kontrollwert, der keine Geheimnisse enthält.
Einrichten
Auf einem anderen Rechner als dem CRM-Server:
git clone git@host:dein/audit-gegenbuch.git
cd audit-gegenbuch
export CRM_URL=https://crm.example.de
export CRM_TOKEN=<Access-Token eines Benutzers mit audit:read>
node /pfad/zu/notary.mjs
Als Cronjob, stündlich:
0 * * * * cd /pfad/zum/gegenbuch && CRM_URL=https://crm.example.de \
CRM_TOKEN=... node /pfad/notary.mjs >> notary.log 2>&1
Force-Push serverseitig sperren – das ist Pflicht, nicht Empfehlung.
Konkret muss der Server non-fast-forward-Pushes verbieten (Rewind-Schutz), nicht nur „irgendeine" Branch-Protection. Der Grund ist nicht offensichtlich:
Das Skript prüft jede Signatur. Aber ein Angreifer mit Force-Push-Recht muss gar nichts fälschen – er kann die Reihe schlicht auf einen älteren, echt signierten Stand zurückspulen und die Datenbank passend kürzen. Alle Signaturen bleiben gültig, der Fingerabdruck stimmt, die Nummerierung ist lückenlos. Kryptographisch ist daran nichts auszusetzen; es fehlt nur das Ende.
Ein Notar-Rechner, der die höhere Nummer noch lokal kennt, merkt es. Ein frischer Klon merkt es nicht – und das ist ausgerechnet der Auditoren-Fall.
Deshalb zusätzlich:
# Die zuletzt bekannte Nummer mitgeben – dann fällt ein Rewind auch ohne
# lokalen Zustand auf. Das Skript nennt sie am Ende jedes Laufs.
NOTARY_MIN_SEQ=42 node notary.mjs --check
Ohne NOTARY_MIN_SEQ weist die Erfolgsmeldung ausdrücklich darauf hin, dass
ein Zurückspulen nicht erkennbar war. Ein „OK" ohne diesen Zusatz bedeutet
mehr als eines mit.
Der entscheidende Punkt: es wird tatsächlich geprüft
Die erste Fassung dieses Skripts hat signiert – aber nie eine Signatur geprüft. Es las seine Wahrheit aus der lokalen Arbeitsdatei. Wer den Notar-Rechner beschreiben konnte, hat ihm damit beliebige „beglaubigte" Zeilen untergeschoben und einen abgeschnittenen Datenbestand als neue Wahrheit festgeschrieben, ohne Alarm. Signieren ohne prüfenden Leser ist wertlos.
Deshalb gilt jetzt:
- Wahrheitsquelle ist der signierte Commit-Baum (bevorzugt der Remote-Kopf), nicht die Arbeitsdatei
- Jeder Commit, der das Gegenbuch ändert, muss eine gültige Signatur tragen
- Weicht die Arbeitsdatei vom signierten Stand ab, wird abgebrochen
- Geschrieben wird erst nach erfolgreichem, signiertem Commit – scheitert er, wird die Datei zurückgerollt
Voraussetzungen, die wirklich Voraussetzungen sind
-
allowed_signersmuss den Notar-Schlüssel enthalten. Das Skript akzeptiert ausschließlich Signaturen, die git alsGbewertet – bei SSH-Signaturen heißt das wörtlich „Schlüssel steht inallowed_signers". Ein fremder, selbst erzeugter Schlüssel liefertUund wird abgelehnt. (Bei GPG statt SSH liefert auch ein legitimer Schlüssel ohne Ownertrust einU– dann Ownertrust setzen, nichtUwieder zulassen.) -
Ein Remote muss erreichbar sein. Ist er es nicht, bricht das Skript mit Code 3 ab, statt dem lokalen Stand zu glauben. Ein Gegenbuch, dessen beglaubigter Stand sich nicht feststellen lässt, gibt kein grünes Licht.
-
Genau ein Schlüssel zählt, nicht die ganze Liste.
allowed_signerskann mehrere Principals enthalten – ein Kollege, ein Alt-Schlüssel, eine global geteilte Datei. Jeder davon würde sonst als „gültig" durchgehen und könnte das Gegenbuch umschreiben. Deshalb prüft das Skript zusätzlich den Fingerabdruck des Signierschlüssels.Er wird automatisch aus
user.signingkeyabgeleitet. Lässt er sich nicht bestimmen, bricht das Skript ab – statt stillschweigend die ganze Liste zu akzeptieren. Explizit setzen geht auch:export NOTARY_SIGNER_FINGERPRINT=$(git log -1 --format=%GF)Wichtig: exakt der
%GF-Wert (SHA256:…), nicht die vollständige Ausgabe vonssh-keygen -lf.
Rückgabecodes
| Code | Bedeutung |
|---|---|
| 0 | alles in Ordnung, Checkpoint angehängt (bzw. Prüfung bestanden) |
| 1 | Betriebsfehler (Konfiguration, Commit oder Push fehlgeschlagen) |
| 2 | Befund – Widerspruch zwischen CRM und Gegenbuch, oder ungültige Signatur |
| 3 | beglaubigter Stand nicht feststellbar (Remote fehlt oder unerreichbar) |
Für Cron gilt: jeder Code außer 0 gehört gemeldet. Code 2 ist der Alarm, Code 3 heißt „ich weiß es nicht" – und das ist ausdrücklich kein Freibrief.
Prüfmodus für Auditoren
node notary.mjs --check
Führt alle Kontrollen aus, hängt aber nichts an und braucht kein Schreibrecht. Geeignet für jemanden, der die Kette unabhängig nachvollziehen will.
Was das Skript erkennt
| Angriff | Erkennung |
|---|---|
| Beglaubigter Eintrag nachträglich verändert | Hash an der beglaubigten Position stimmt nicht mehr |
| Einträge am Ende abgeschnitten | aktuelle höchste ID kleiner als die beglaubigte |
| Bestandssiegel verschwunden | vorher beglaubigt, jetzt nicht mehr vorhanden |
| Gegenbuch selbst gekürzt | Lücke in der fortlaufenden Nummer |
| Gegenbuch lokal manipuliert | Arbeitsdatei weicht vom signierten Stand ab |
| Untergeschobener Commit | Commit ohne gültige Signatur in der Historie |
| Nie gepushte lokale Commits | Abgleich gegen den Remote-Kopf |
| Bestandssiegel-Blätter entfernt | beglaubigte Blattzahl auf null gefallen |
Bei jedem dieser Fälle bricht das Skript mit Exit-Code 2 ab und hängt nichts an – der manipulierte Zustand wird also nicht als neue Wahrheit festgeschrieben. Für Cron heißt das: Exit-Code überwachen, sonst geht der Alarm im Log unter.
Was es nicht leistet – ehrlich
- Restfenster: Einträge zwischen dem letzten Kontrollwert und jetzt sind noch nicht beglaubigt und am Ende fälsch- oder kürzbar. Häufigerer Lauf verkleinert das Fenster, beseitigt es aber nicht. Das gilt für jedes periodische Verfahren dieser Art.
- Stiller Ausfall: Läuft der Cronjob nicht mehr, entsteht keine Warnung im CRM – dort ist ja nichts konfiguriert. Der Ausfall muss auf dem Gegenbuch-Rechner überwacht werden (z. B. Alarm, wenn der jüngste Commit älter als zwei Intervalle ist).
NOTARY_SIGN=falseexistiert nur für Tests ohne hinterlegten Schlüssel und verlangt zusätzlichNOTARY_INSECURE_ACK=…. Der Reflex „Cron hakt, also Signatur abschalten" soll bewusst nicht ausreichen – er würde eine ungeschützte Kette festschreiben.- Der Remote-Server muss Force-Push verhindern. Das Skript prüft die Signaturen, aber wenn jemand die Historie am Server überschreiben kann, ersetzt er auch die signierten Commits durch eigene. Branch-Protection ist Teil des Schutzes, nicht Zubehör.