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opencrm/tools/audit-notary/README.md
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duffyduckandClaude Opus 5 1f53a3304b Doku: Erster Start des Gegenbuchs als Drei-Schritt-Ablauf
Die Genesis-Bestaetigung stand nur als Nebensatz in der Anleitung. Jetzt als
eigener Abschnitt mit den drei Schritten (freigeben, starten, wieder leeren),
der erwarteten Ausgabe und der Begruendung, warum das Leeren wichtig ist:
Bleibt die Zeile gesetzt, wuerde nach einem Verlust des Datenverzeichnisses
stillschweigend eine neue Grundlage gesetzt statt nachgefragt.

Co-Authored-By: Claude Opus 5 <noreply@anthropic.com>
2026-08-22 19:58:30 +02:00

21 KiB
Raw Blame History

Gegenbuch (externe Notarisierung)

Alle Schutzmechanismen im CRM selbst Hash-Kette, Versionsgrenze, Löschungs-Manifest, Bestandssiegel liegen in derselben Datenbank, die sie absichern sollen. Wer dort schreiben kann, sitzt am Ende immer schon auf der Ebene, die den Beweis führt. Genau das hat der Pentest über mehrere Runden Schicht für Schicht gezeigt.

Das Gegenbuch durchbricht das: Ein zweiter Rechner holt regelmäßig einen kurzen Kontrollwert vom CRM, prüft ihn gegen seine eigene Historie und schreibt ihn signiert fort. Wird später im CRM etwas nachträglich verändert, widerspricht das dem Gegenbuch.

Zwei Betriebsarten erst hier entscheiden

Lokal (Normalfall) Mit externem Repository
Das Buch liegt auf dem Gegenbuch-Rechner zusätzlich auf einem dritten Server
Aufwand Docker starten, fertig privates Git-Repo, Schlüssel, Server-Regeln
Schützt gegen jemand verändert Daten im CRM zusätzlich: jemand übernimmt den Gegenbuch-Rechner

Für die allermeisten Installationen ist „lokal" die richtige Wahl. Der Schutz, um den es geht nachträgliche Änderungen im CRM auffliegen zu lassen steht damit vollständig. Die zweite Variante deckt einen Angreifer ab, der zusätzlich den Gegenbuch-Rechner übernimmt; sie kostet spürbar mehr Einrichtung und laufende Aufmerksamkeit.

Diese Anleitung beschreibt zuerst den lokalen Betrieb. Alles zur zweiten Variante steht gesammelt unter „Zusätzliche Härtung" weiter unten wer lokal betreibt, kann diesen ganzen Teil überspringen.

Die eine nicht verhandelbare Bedingung

Der Signaturschlüssel und das Push-Recht dürfen nicht in den Deploy-Secrets des CRM liegen. Sonst ist der zweite Schlüssel im selben Zugriffsbereich wie der erste es sieht nach doppeltem Boden aus und ist keiner. Das CRM braucht für dieses Verfahren gar nichts zu wissen: Es liefert nur einen lesbaren Kontrollwert, der keine Geheimnisse enthält.

Einrichten mit Docker (empfohlen)

Auf dem Gegenbuch-Rechner nicht auf dem CRM-Server:

git clone <dieses Repository> opencrm
cd opencrm/tools/audit-notary
cp .env.example .env
# .env ausfüllen: CRM-Adresse und Token eintragen
docker compose up -d

Erster Start drei Schritte

Beim allerersten Lauf meldet der Container exit=4 und verlangt eine Bestätigung. Das ist Absicht: Der erste Eintrag legt fest, was als Ausgangszustand gilt.

# 1. In der .env freigeben
STAGING_GENESIS_ACK=true

# 2. Neu starten (kein --build nötig, nur die Umgebung ändert sich)
docker compose up -d && docker compose logs -f
#    Erwartet: "OK: Checkpoint 1 erstellt" und exit=3
#    exit=3 ist hier richtig  beim ersten Mal gibt es nichts zu vergleichen.

# 3. Wieder leeren und erneut starten
STAGING_GENESIS_ACK=
docker compose up -d

Ab dem nächsten Durchlauf steht dort exit=0 (in Ordnung).

Warum Schritt 3 wichtig ist: Bleibt die Zeile auf true, würde der Container nach einem Verlust des Datenverzeichnisses stillschweigend eine neue Grundlage setzen, statt zu fragen genau davor schützt die Abfrage.

Für Produktion später dasselbe mit PROD_GENESIS_ACK. Schnell nachsehen ohne Logs: cat data/staging/status.txt.

Beim ersten Start einmalig PROD_GENESIS_ACK=true setzen (und danach wieder leeren) die erste Eintragung legt fest, was als Ausgangszustand gilt, und das soll nicht versehentlich passieren.

Zwei Bücher auf einer Maschine sind vorgesehen: prod und staging sind getrennte Dienste mit getrennten Verzeichnissen und getrennten Schlüsseln. Welche laufen, steuert COMPOSE_PROFILES in der .env.

Zugang einrichten (das brauchst du vorher)

Das Gegenbuch braucht ein eigenes Benutzerkonto im CRM kein Token. Der Grund: Zugangstoken laufen nach 15 Minuten ab und wären beim nächsten stündlichen Durchlauf längst ungültig. Das Gegenbuch meldet sich deshalb bei jedem Lauf selbst an.

Im CRM, als Administrator:

  1. Rolle anlegen, z. B. Gegenbuch und ihr ausschließlich das Recht audit:read geben. Sonst nichts.
  2. Benutzer anlegen, z. B. gegenbuch@deine-domain.de, mit dieser Rolle und einem langen, zufälligen Passwort.
  3. E-Mail und Passwort in die .env des Gegenbuchs eintragen (PROD_CRM_EMAIL / PROD_CRM_PASSWORD).

Mit audit:read allein kann dieses Konto nur Prüfwerte lesen keine Kundendaten, keine Verträge, nichts ändern. Selbst wenn die Zugangsdaten abhandenkommen, ist damit nichts anzufangen.

Für Produktion und Test jeweils ein eigenes Konto in der jeweiligen Instanz.

Jede Anmeldung erscheint im Audit-Log der jeweiligen Instanz. Das ist so gewollt: Man sieht, dass das Gegenbuch arbeitet und wenn es aufhört, fällt auch das auf.

Wer redet mit wem

Gegenbuch  ──holt lesend──>  OpenCRM      (HTTPS, Konto nur mit audit:read)
OpenCRM    ─────────────────>  (kennt das Gegenbuch nicht)

Das ist der eigentliche Schutz. Das Gegenbuch holt es lässt sich nichts schicken. OpenCRM kennt weder Adresse noch Schlüssel des Gegenbuchs. Wer OpenCRM übernimmt, kommt hier nicht heran.

Das Token kann ausschließlich Prüfwerte lesen: keine Kundendaten, keine Änderungen. Selbst wenn es abhandenkommt, ist damit nichts anzufangen.

Der Signaturschlüssel wird beim ersten Start auf dem Gegenbuch-Rechner erzeugt und verlässt ihn nie.

Wo die Daten liegen

Im Projektverzeichnis, nicht in Docker-Volumes:

tools/audit-notary/data/prod/
  buch/                 das Gegenbuch selbst (ein Git-Repository)
  schluessel/           Signaturschlüssel  wird beim ersten Start erzeugt
  beobachtungen.jsonl   was zuletzt gesehen wurde
  status.txt            Ergebnis des letzten Durchlaufs

Der Inhalt ist vom Repository ausgenommen der Signaturschlüssel gehört dort nicht hinein.

Zu Dateirechten: Der Container startet kurz als root, setzt das Datenverzeichnis auf den Arbeitsbenutzer um und gibt die Privilegien dann ab. Das ist nötig, weil das Verzeichnis vom Host kommt wer das Projekt als root geklont hat, hätte sonst ein Verzeichnis, in das der Container nicht schreiben darf. Passiert automatisch, du musst nichts tun. Ein anderer Zielbenutzer geht über PUID/PGID. Die Verzeichnisse selbst sind über .gitkeep vorhanden, damit sie nach einem git clone schon existieren und Docker sie nicht als root anlegt.

Ins Backup gehört genau dieses Verzeichnis. Geht es verloren, beginnt die Beobachtung von vorn und der nächste Lauf sagt das ausdrücklich, statt „alles gut" zu melden.

Überwachung

Jeder Durchlauf schreibt seinen Stand nach data/<instanz>/status.txt:

2026-08-22T16:49:50+00:00 exit=0 in Ordnung

Alles außer exit=0 gehört angesehen. Wer eine Überwachung hat, greift diese Datei ab; wer keine hat, schaut regelmäßig mit docker compose logs hinein. Ein Alarm, den niemand liest, ist keiner.

Was dieser Betrieb abdeckt und was nicht

Abgedeckt: Jemand verändert oder löscht nachträglich Einträge im CRM auch mit direktem Datenbankzugriff. Das widerspricht dem Gegenbuch und fällt beim nächsten Durchlauf auf.

Nicht abgedeckt: Jemand übernimmt den Gegenbuch-Rechner selbst. Dagegen hülfe nur eine zusätzliche Ablage außerhalb (z. B. ein privates Git-Repository auf einem dritten Server) das ist vorbereitet, aber für die meisten Installationen mehr Aufwand als Nutzen. Die Erfolgsmeldung benennt diese Grenze bei jedem Lauf, damit sie nicht in Vergessenheit gerät.



Zusätzliche Härtung: externes Repository

Alles ab hier gilt nur für die zweite Betriebsart. Wer das Gegenbuch lokal auf einer eigenen Maschine betreibt der Normalfall, siehe oben kann diesen gesamten Abschnitt überspringen. Die Anforderungen darin (Git-Server, Rewind-Sperre, geschützte Refs) beziehen sich auf ein zusätzliches Repository auf einem dritten Server und existieren im lokalen Betrieb nicht.

Sinn der Variante: Beim lokalen Betrieb liegt das Buch auf demselben Rechner wie der Signaturschlüssel. Wer diesen Rechner übernimmt, kann beides manipulieren. Ein zusätzliches Repository auf einem dritten Server, das nur Anhängen erlaubt, schließt auch das vorausgesetzt, dessen Regeln stimmen.

Einrichten ohne Docker

Auf einem anderen Rechner als dem CRM-Server:

git clone git@host:dein/audit-gegenbuch.git
cd audit-gegenbuch

export CRM_URL=https://crm.example.de
export CRM_TOKEN=<Access-Token eines Benutzers mit audit:read>

node /pfad/zu/notary.mjs

Als Cronjob, stündlich:

0 * * * * cd /pfad/zum/gegenbuch && CRM_URL=https://crm.example.de \
  CRM_TOKEN=... node /pfad/notary.mjs >> notary.log 2>&1

Force-Push serverseitig sperren das ist Pflicht, nicht Empfehlung.

Konkret muss der Server non-fast-forward-Pushes verbieten (Rewind-Schutz), nicht nur „irgendeine" Branch-Protection. Der Grund ist nicht offensichtlich:

Das Skript prüft jede Signatur. Aber ein Angreifer mit Force-Push-Recht muss gar nichts fälschen er kann die Reihe schlicht auf einen älteren, echt signierten Stand zurückspulen und die Datenbank passend kürzen. Alle Signaturen bleiben gültig, der Fingerabdruck stimmt, die Nummerierung ist lückenlos. Kryptographisch ist daran nichts auszusetzen; es fehlt nur das Ende.

Ein Notar-Rechner, der die höhere Nummer noch lokal kennt, merkt es. Ein frischer Klon merkt es nicht und das ist ausgerechnet der Auditoren-Fall.

Deshalb zusätzlich:

# Die zuletzt bekannte Nummer mitgeben  dann fällt ein Rewind auch ohne
# lokalen Zustand auf. Das Skript nennt sie am Ende jedes Laufs.
NOTARY_MIN_SEQ=42 node notary.mjs --check

Der Rewind-Wächter

Das Skript merkt sich bei jedem Lauf den beobachteten Remote-Kopf in einer Datei außerhalb des Klons (Standard ~/.opencrm-notary/beobachtungen.jsonl, per NOTARY_STATE_FILE änderbar). Beim nächsten Lauf muss der neue Kopf ein Nachfahre des alten sein. Ist er das nicht, wurde zurückgespult und zwar unabhängig davon, ob es einen serverseitigen Schutz gibt.

Das ist der Grund, warum hier kein Probe-Push stattfindet: Ein solcher Test würde die eigene Push-Identität messen, nicht die des Angreifers (Bypass-Rechte für Administratoren gehen genau dann auseinander, wenn es zählt), er gälte nur für den geprobten Ref, und die bestätigende Beobachtung wäre derselbe Vorgang wie der Schaden. Deshalb wird das Ereignis erkannt statt die Regel abgefragt.

Das Gedächtnis liegt im Server, nicht nur auf diesem Rechner

Jeder verankerte Checkpoint bekommt zusätzlich einen eigenen unveränderlichen Ref refs/notary/seq-N. Der überlebt einen Force-Push auf main, weil er ein anderer Ref ist. Damit lässt sich die höchste je existierende Nummer aus dem Server rekonstruieren auch wenn der lokale Beobachtungsspeicher fehlt.

Warum das nötig ist: Läge das Gedächtnis nur lokal, müsste ein Angreifer nach einem Zurückspulen bloß diese Datei löschen. Der nächste Lauf meldete dann „erste Beobachtung" ein einziges Code-3, das im Alltag neben echten Remote-Ausfällen untergeht und würde anschließend den zurückgespulten Stand als Ausgangspunkt übernehmen. Ab da wäre alles dauerhaft grün. Ein gutartiger Standardzustand, den ein Angreifer gezielt herstellen kann, ist kein sicherer Standardzustand.

⚠ Ohne serverseitigen Schutz dieser Refs bringt das Verfahren nichts

refs/notary/* muss auf dem Server gegen Löschen und Überschreiben gesperrt sein. Das ist keine Empfehlung, sondern die tragende Voraussetzung genauso wie die Rewind-Sperre auf main.

Der Grund ist eine unangenehme Asymmetrie: Das Skript kennt nur den höchsten noch vorhandenen Anker, nicht den höchsten je erzeugten. Wer alle Anker löscht, fliegt auf (Code 4). Wer nur die obersten löscht und einen niedrigeren stehen lässt, senkt damit den Vergleichswert selbst und in-repo ist das von „gab es nie" nicht zu unterscheiden.

Die Notar-Identität braucht dort eine eng gefasste Ausnahme: Sie muss refs/notary/* anlegen dürfen, aber ausdrücklich nicht löschen oder überschreiben. Sonst hebelt eine kompromittierte Notar-Identität genau den Schutz aus, um den es hier geht. Server-seitig ist das unterscheidbar ein pre-receive-Hook sieht beim Anlegen die Null-OID als alten Wert:

# refs/notary/*: nur anlegen, niemals ändern oder löschen
case "$ref" in refs/notary/*)
  [ "$old" = "0000000000000000000000000000000000000000" ] || exit 1 ;;
esac

Deshalb begründen Anker keine Unversehrtheit. Sie können ein Zurückspulen widerlegen (wenn ein hoher Anker nicht mehr im Kopf steckt), aber nie belegen, dass nichts fehlt. Ein --check aus frischem Klon erkennt eine Anker-Löschung nicht es meldet dann Code 3 mit Vorbehalt, nicht 0.

Wenn das Gedächtnis trotzdem fehlt

Das Skript unterscheidet zwei Fälle der Unterschied entscheidet alles:

Lage Bedeutung Verhalten
kein Speicher, keine notarisierte Historie echte Erstinbetriebnahme einmalig NOTARY_GENESIS_ACK=true, sonst Code 4
kein Speicher, aber Historie vorhanden Gedächtnis ging nach der Etablierung verloren Code 4, keine stille Übernahme; erst nach NOTARY_ADOPT_ACK=true

Eine Baseline zu setzen heißt „ich verbürge mich, das ist der wahre Kopf". Dieser Akt wird nicht automatisch wiederholt.

Zwei Konsequenzen für den Betrieb:

  • Die Datei gehört nicht in den Klon und sollte möglichst auf getrenntem Speicher liegen. Geht sie verloren, beginnt die Beobachtung von vorn der erste Lauf danach meldet ehrlich „erste Beobachtung", nicht „alles gut".
  • Der allererste Lauf endet mit Code 3. Was man nie gesehen hat, kann man nicht vergleichen. Das ist kein Fehler, sondern die ehrliche Auskunft.

NOTARY_MIN_SEQ ersetzt die serverseitige Sperre nicht. Der Wert ist eine Untergrenze und immer nur so frisch wie deine letzte Beobachtung. Wer stündlich beglaubigt, aber wöchentlich prüft, läuft mit einem Wert herum, der um rund 168 hinterherhinkt ein Zurückspulen in dieses Fenster bliebe unbemerkt und der gewaschene Stand würde sogar ausdrücklich bestätigt.

Ist der Rewind-Schutz auf dem Server tatsächlich eingerichtet, bestätige das:

NOTARY_REWIND_PROTECTED=true

Nur diese Zusicherung blendet den Vorbehalt aus nicht die bloße Angabe einer Zahl. Solange sie fehlt, endet jeder Lauf mit Code 3 statt 0: „nicht abschließend feststellbar". Das ist Absicht, denn ein Cronjob liest den Rückgabecode, nicht den Fließtext ein Hinweis, der nur in der Ausgabe steht, erreicht die Überwachung nie.

Der entscheidende Punkt: es wird tatsächlich geprüft

Die erste Fassung dieses Skripts hat signiert aber nie eine Signatur geprüft. Es las seine Wahrheit aus der lokalen Arbeitsdatei. Wer den Notar-Rechner beschreiben konnte, hat ihm damit beliebige „beglaubigte" Zeilen untergeschoben und einen abgeschnittenen Datenbestand als neue Wahrheit festgeschrieben, ohne Alarm. Signieren ohne prüfenden Leser ist wertlos.

Deshalb gilt jetzt:

  • Wahrheitsquelle ist der signierte Commit-Baum (bevorzugt der Remote-Kopf), nicht die Arbeitsdatei
  • Jeder Commit, der das Gegenbuch ändert, muss eine gültige Signatur tragen
  • Weicht die Arbeitsdatei vom signierten Stand ab, wird abgebrochen
  • Geschrieben wird erst nach erfolgreichem, signiertem Commit scheitert er, wird die Datei zurückgerollt

Voraussetzungen, die wirklich Voraussetzungen sind

  • allowed_signers muss den Notar-Schlüssel enthalten. Das Skript akzeptiert ausschließlich Signaturen, die git als G bewertet bei SSH-Signaturen heißt das wörtlich „Schlüssel steht in allowed_signers". Ein fremder, selbst erzeugter Schlüssel liefert U und wird abgelehnt. (Bei GPG statt SSH liefert auch ein legitimer Schlüssel ohne Ownertrust ein U dann Ownertrust setzen, nicht U wieder zulassen.)

  • Ein Remote muss erreichbar sein. Ist er es nicht, bricht das Skript mit Code 3 ab, statt dem lokalen Stand zu glauben. Ein Gegenbuch, dessen beglaubigter Stand sich nicht feststellen lässt, gibt kein grünes Licht.

  • Genau ein Schlüssel zählt, nicht die ganze Liste. allowed_signers kann mehrere Principals enthalten ein Kollege, ein Alt-Schlüssel, eine global geteilte Datei. Jeder davon würde sonst als „gültig" durchgehen und könnte das Gegenbuch umschreiben. Deshalb prüft das Skript zusätzlich den Fingerabdruck des Signierschlüssels.

    Er wird automatisch aus user.signingkey abgeleitet. Lässt er sich nicht bestimmen, bricht das Skript ab statt stillschweigend die ganze Liste zu akzeptieren. Explizit setzen geht auch:

    export NOTARY_SIGNER_FINGERPRINT=$(git log -1 --format=%GF)
    

    Wichtig: exakt der %GF-Wert (SHA256:…), nicht die vollständige Ausgabe von ssh-keygen -lf.

Rückgabecodes

Code Bedeutung
0 alles in Ordnung, Checkpoint angehängt (bzw. Prüfung bestanden)
1 Betriebsfehler (Konfiguration, Commit oder Push fehlgeschlagen)
2 Befund Widerspruch zwischen CRM und Gegenbuch, oder ungültige Signatur
5 Anker unvollständig die Kette ist gültig, aber refs/notary/seq-N fehlt. Reparierbar durch einen Notar-Schreiblauf
4 Wächter-Gedächtnis fehlt Erstinbetriebnahme unbestätigt, oder Speicher nach der Etablierung verloren
3 beglaubigter Stand nicht abschließend feststellbar Remote fehlt/unerreichbar, erste Beobachtung, Zurückspulen nicht ausschließbar, oder Checkpoint erstellt aber nicht verankert

Für Cron gilt: jeder Code außer 0 gehört gemeldet. Code 2 ist der Alarm, Code 3 heißt „ich weiß es nicht" und das ist ausdrücklich kein Freibrief.

Prüfmodus für Auditoren

node notary.mjs --check

Führt alle Kontrollen aus, verändert nichts und braucht kein Schreibrecht auch dann nicht, wenn dabei ein fehlender Anker auffällt. Der wird gemeldet (Code 5), nicht repariert; Reparieren ist Sache des Notar-Laufs.

Das ist kein Detail: Die Serversperre für refs/notary/* lehnt Schreibzugriffe ja gerade ab. Würde der Prüfmodus dort nachtragen wollen, bekäme jeder read-only prüfende Auditor dauerhaft einen Fehler auf einer völlig gültigen Kette und könnte ihn nicht beheben.

Anhängen ist selbst ein Beglaubigungsakt

Ein Schreiblauf erweitert nicht nur die Kette er signiert damit zugleich über alles darunter. Deshalb prüft das Skript vor dem Anhängen und verweigert es, wenn die Grundlage nicht feststeht. Sonst wäre das Anhängen selbst das Waschmittel: eine frische Signatur über einen ungeklärten Vorzustand beglaubigt diesen mit.

Ebenso gilt: erstellt ist nicht verankert. Klappt der Push nicht, endet der Lauf mit Code 3 und der ausdrücklichen Auskunft „erstellt, aber NICHT verankert" niemals mit 0. Der nächste Lauf hält den ungepushten Commit dann an, bis er geklärt ist.

Was das Skript erkennt

Angriff Erkennung
Beglaubigter Eintrag nachträglich verändert Hash an der beglaubigten Position stimmt nicht mehr
Einträge am Ende abgeschnitten aktuelle höchste ID kleiner als die beglaubigte
Bestandssiegel verschwunden vorher beglaubigt, jetzt nicht mehr vorhanden
Gegenbuch selbst gekürzt Lücke in der fortlaufenden Nummer
Reihe zurückgespult (Force-Push) Remote-Kopf ist kein Nachfahre des zuletzt beobachteten
Gegenbuch lokal manipuliert Arbeitsdatei weicht vom signierten Stand ab
Untergeschobener Commit Commit ohne gültige Signatur in der Historie
Nie gepushte lokale Commits Abgleich gegen den Remote-Kopf
Bestandssiegel-Blätter entfernt beglaubigte Blattzahl auf null gefallen

Bei jedem dieser Fälle bricht das Skript mit Exit-Code 2 ab und hängt nichts an der manipulierte Zustand wird also nicht als neue Wahrheit festgeschrieben. Für Cron heißt das: Exit-Code überwachen, sonst geht der Alarm im Log unter.

Was es nicht leistet ehrlich

  • Restfenster: Einträge zwischen dem letzten Kontrollwert und jetzt sind noch nicht beglaubigt und am Ende fälsch- oder kürzbar. Häufigerer Lauf verkleinert das Fenster, beseitigt es aber nicht. Das gilt für jedes periodische Verfahren dieser Art.
  • Stiller Ausfall: Läuft der Cronjob nicht mehr, entsteht keine Warnung im CRM dort ist ja nichts konfiguriert. Der Ausfall muss auf dem Gegenbuch-Rechner überwacht werden (z. B. Alarm, wenn der jüngste Commit älter als zwei Intervalle ist).
  • NOTARY_SIGN=false existiert nur für Tests ohne hinterlegten Schlüssel und verlangt zusätzlich NOTARY_INSECURE_ACK=…. Der Reflex „Cron hakt, also Signatur abschalten" soll bewusst nicht ausreichen er würde eine ungeschützte Kette festschreiben.
  • Der Remote-Server muss Force-Push verhindern. Das Skript prüft die Signaturen, aber wenn jemand die Historie am Server überschreiben kann, ersetzt er auch die signierten Commits durch eigene. Branch-Protection ist Teil des Schutzes, nicht Zubehör.