# kerio-connect-rename-user Werkzeuge für Kerio Connect auf der Kommandozeile. | Datei | Zweck | | --- | --- | | [`kerio_tui.py`](kerio_tui.py) | Assistent mit Menüführung — ohne Kommandozeilenparameter | | [`kerio_rename_user.py`](kerio_rename_user.py) | Benutzer umbenennen — Login-Name **und** Mailbox-Verzeichnis im Store | | [`kerio_users_config.py`](kerio_users_config.py) | Lesen und Ändern von `users.cfg` | | [`kerio_common.py`](kerio_common.py) | Gemeinsame Bausteine: Admin-API-Client, Dienststeuerung | Alles läuft **lokal auf dem Kerio-Server als root**, braucht nur die Python-Standardbibliothek und bietet `--dry-run`. ## Der Assistent Wer nicht mit Parametern hantieren will: ```bash sudo ./kerio_tui.py ``` Der Assistent zeigt die vorhandenen Benutzer zur Auswahl, findet **verwaiste Mailbox-Verzeichnisse von selbst** (Verzeichnisse ohne zugehörigen Benutzer), fragt die nötigen Angaben ab und zeigt vor dem Ausführen den gleichwertigen Kommandozeilenaufruf — wer ihn kennt, tippt ihn beim nächsten Mal direkt. Bedienung: Pfeiltasten oder `j`/`k`, Enter bestätigt, `q` oder Esc geht zurück. Geändert wird erst nach einer ausdrücklichen Bestätigung; bis dahin lässt sich jeder Schritt abbrechen. ## Getestet Gegen **Kerio Connect 10.0.9 patch 2** auf Debian 12, mit lizenziertem Server und laufendem IMAP. Ein Benutzer mit gefüllter Mailbox wurde umbenannt und danach geprüft: | Prüfung | Ergebnis | | --- | --- | | IMAP-Login mit dem neuen Namen | funktioniert | | IMAP-Login mit dem alten Namen | wird abgewiesen | | Alle Mails in INBOX und Unterordner | vollständig vorhanden | | Flags (`\Seen`, `\Flagged`) | erhalten | | Mail-Dateien (`.eml`), md5 vorher/nachher | bitgleich | | Neue Mail an die neue Adresse | `Result: delivered` | | Mail an die alte Adresse | `550 5.1.1 Mailbox does not exist` | | Verwaistes Verzeichnis unter dem alten Namen | keines | | GUID und Passwort-Hash des Benutzers | unverändert | Und für `--adopt`, mit gelöschtem Altbenutzer und neu angelegtem Zielbenutzer: | Prüfung | Ergebnis | | --- | --- | | Alle 7 Mails beim neuen Benutzer sichtbar | ja, inklusive Unterordner und Flags | | Kontaktkarte `.personal` | auf neuen Namen und Adresse umgeschrieben | | `users.cfg` | unverändert | | Neue Mail an den Zielbenutzer | zugestellt | | Verwaistes Verzeichnis | keines übrig | Der Assistent wurde über ein PTY durch alle Abläufe gefahren; dabei kam heraus, dass `keypad(True)` auf diesem Server die Pfeiltasten **nicht** auflöst — `getch()` liefert `27, 91, 66` statt `KEY_DOWN`. Ein fehlendes oder unpassendes terminfo reicht dafür. Die Oberfläche löst die Sequenzen deshalb selbst auf, sonst würde das führende ESC als „zurück" gelten und der Assistent bei jedem Pfeildruck herausspringen. Geändert haben sich nur Kerios eigene Index- und Statusdateien (`.journal.db`, `status.fld`, `index.fld`) — die schreibt der Server bei jedem Zugriff neu. Dazu Unit-Tests unter [tests/](tests/): ```bash python3 tests/test_store.py python3 tests/test_users_config.py python3 tests/test_adopt.py python3 tests/test_tui.py ``` --- # Benutzer umbenennen ## Warum das nicht trivial ist Kerio hält den Benutzernamen an zwei Stellen, die nichts voneinander wissen: | Wo | Was | | --- | --- | | `users.cfg` | Der Login-Name, in **zwei** Listen: `User` und `UserAdditionalData` | | Dateisystem | `/mail///` — die eigentliche Mailbox | Ändert man nur den Login-Namen, sucht Kerio ab sofort im Verzeichnis mit dem *neuen* Namen, findet keins, legt ein leeres an — und die alten Mails liegen weiter unter dem alten Verzeichnisnamen. Typischer Anlass für eine Umbenennung: Heirat oder ein anderer Namenswechsel. ## Warum nicht über die Administration API **Die API kann das nicht.** `Users.set` nimmt ein Feld `loginName` entgegen und ignoriert es stillschweigend — kein Fehler, keine Wirkung. Nachgeprüft gegen Kerio Connect 10.0.9 mit vier Varianten (nur `loginName`, mit `domainId`, mit leeren `emailAddresses`, vollständiges User-Objekt): alle wirkungslos, während `fullName` im selben Aufruf sauber übernommen wird. Deshalb arbeitet das Script direkt auf `users.cfg` — und braucht dadurch **keine Admin-Zugangsdaten**. ## Ablauf 1. **Vorprüfungen**, bevor irgendetwas geschrieben wird: - Domain und Benutzer in `users.cfg` vorhanden? - Benutzer aus einem Verzeichnisdienst (`InternalDb=0`)? → Abbruch, denn dann gehört der Name dem Verzeichnisdienst - neuer Login-Name frei und zeichenmäßig zulässig? - Zielverzeichnis unbelegt, Quelle und Ziel auf demselben Dateisystem? - Dienst steuerbar? 2. Plan ausgeben. `--dry-run` endet hier, sonst Rückfrage (`--yes` überspringt). 3. Dienst stoppen. 4. `users.cfg` **neu einlesen**, Name in `User` und `UserAdditionalData` setzen, atomar über eine temporäre Datei speichern. 5. Verzeichnisse verschieben (`mail/`, und `archive/` falls vorhanden). 6. Dienst starten und gegenlesen. **Schritte 4 und 5 liegen bewusst in einem einzigen Stopp-Fenster.** Das ist keine Bequemlichkeit: Läuft Kerio zwischendurch mit nur einer der beiden Hälften, legt es die vermeintlich fehlende Mailbox sofort neu an, und man hat ein verwaistes Verzeichnis mehr. Genau das ist beim Entwickeln passiert. Schlägt etwas fehl, werden verschobene Verzeichnisse zurückgenommen und `users.cfg` aus dem Backup wiederhergestellt. ## Benutzung ```bash # Wer ist da? (kein root nötig) ./kerio_rename_user.py --list # Erst ansehen: ./kerio_rename_user.py \ --domain firma.de \ --old-login anna.mueller \ --new-login anna.schmidt \ --full-name "Anna Schmidt" \ --dry-run # Dann wirklich: sudo ./kerio_rename_user.py \ --domain firma.de \ --old-login anna.mueller \ --new-login anna.schmidt \ --full-name "Anna Schmidt" ``` Nur den angezeigten Namen ändern, ohne Login und Verzeichnis anzufassen: ```bash sudo ./kerio_rename_user.py --domain firma.de \ --old-login anna.mueller --full-name "Anna Schmidt" ``` ## Verwaistes Verzeichnis übernehmen (`--adopt`) Für den Fall, dass der alte Benutzer **schon gelöscht** und der neue **schon angelegt** ist — dann liegt nur noch das Mailbox-Verzeichnis herum und soll dem neuen Benutzer zugeordnet werden: ```bash sudo ./kerio_rename_user.py --adopt \ --domain firma.de \ --old-login anna.mueller \ --new-login anna.schmidt ``` `--old-login` ist hier der Name des **verwaisten Verzeichnisses**, `--new-login` der **bereits existierende** Zielbenutzer. `users.cfg` wird dabei nicht angefasst — es wandert nur das Verzeichnis. Geprüft wird vorher: - Der Zielbenutzer existiert in `users.cfg` (sonst liefe die Mailbox ins Leere). - Der alte Benutzer existiert **nicht** mehr. Gibt es ihn noch, bricht das Script ab und verweist auf die normale Umbenennung, die auch `users.cfg` mitzieht. - Hat der Zielbenutzer schon ein Postfach mit Mails darin, bricht das Script ab. Mit `--force` wird es abgelöst: umbenannt nach `.abgeloest-`, danach rückt die übernommene Mailbox nach. **Gelöscht wird nichts** — das alte Postfach liegt vollständig daneben und kann nach einer Kontrolle von Hand weg. Zusammengeführt wird bewusst nicht: Kerio führt eigene Indexdateien (`index.fld`, `.journal.db`), die beim Hineinkopieren fremder Mails nicht mehr passen würden. Das Verschieben eines vollständigen Verzeichnisses nimmt sie dagegen mit. Nach der Übernahme wird die Kontaktkarte des Benutzers (`.personal`) auf den neuen Namen und die neue Adresse umgeschrieben, `stats.usr` beiseitegelegt — die legt Kerio selbst neu an. **Das Kennwort kommt nicht mit.** Der Zielbenutzer meldet sich weiterhin mit seinem eigenen an; übernommen wird ausschließlich der Mailbestand. ## Optionen | Option | Bedeutung | | --- | --- | | `--list` | Benutzer aus `users.cfg` auflisten | | `--adopt` | Verwaistes Verzeichnis einem bestehenden Benutzer zuordnen | | `--domain` | Mail-Domain, z. B. `firma.de` | | `--old-login`, `--new-login` | Login-Namen ohne `@domain` | | `--full-name` | Neuer angezeigter Name | | `--install-dir` | Standard `/opt/kerio/mailserver` | | `--store-dir` | Standard `/opt/kerio/mailserver/store` | | `--service-name` | Dienstname, Standard `kerio-connect` | | `--service-manager` | `auto`, `systemd`, `initd` oder `none` | | `--service-wait` | Sekunden Wartezeit aufs Stoppen, Standard 90 | | `--dry-run` | Nur anzeigen | | `--yes` | Rückfrage überspringen | | `--force` | Bei Verzeichnisdienst-Benutzern; mit `--adopt`: belegtes Ziel beiseiteschieben | `--service-manager none` fasst den Dienst nicht an — dafür muss Kerio dann selbst gestoppt sein, bevor das Script läuft. ## Die Kontaktkarte `/.personal` ist die persönliche vCard des Benutzers und trägt seinen Namen und seine Adresse. Das Script schreibt sie in beiden Modi auf den neuen Stand um — Adresse, `FN:` und die Betreffzeile. Löschen wäre keine Alternative: **Kerio legt die Datei nicht neu an**, wenn sie fehlt. Weder beim Dienstneustart noch bei einer Änderung am Benutzer über die Admin-API (geprüft gegen 10.0.9). Der Benutzer stünde dauerhaft ohne eigene Kontaktkarte da. ## Was das Script bewusst nicht anfasst Der alte Name bleibt an zwei Stellen stehen, die reine Anzeige betreffen und den Mailbetrieb nicht stören: - `#public/Contacts/` — der Eintrag in der globalen Adressliste - `.caldav.db` / `.carddav.db` — die DAV-Datenbanken Wer die sofort korrekt haben will, korrigiert den Kontakt in der Administrationskonsole. Kommt der alte Name in `users.cfg` außerhalb der Benutzerlisten vor (etwa in einem Alias), meldet das Script das im Plan und ändert es **nicht** automatisch — lieber ein Hinweis als eine kaputte Konfiguration. Die alte Adresse nimmt nach der Umbenennung keine Mail mehr an. Wer das braucht, legt anschließend in der Administrationskonsole einen Alias an. ## Hinweise - **Vorher ein Backup des Stores anlegen.** Das Script verschiebt Verzeichnisse. - Erst an einem Testbenutzer ausprobieren. - Der Benutzer sollte während des Laufs nicht angemeldet sein. - Bricht die SSH-Verbindung weg, während Kerio gestoppt ist, fängt das Script das Signal ab und **startet den Dienst wieder**, bevor es sich beendet. Verlassen sollte man sich darauf trotzdem nicht — besser in `tmux` oder `screen` arbeiten. - Nach der Umbenennung müssen sich alle Mail-Clients mit dem neuen Login neu anmelden. - Gruppenmitgliedschaften bleiben erhalten: Kerio referenziert Gruppen über GUIDs, nicht über Namen. --- # Testlizenz besorgen Der Erstkonfigurationsassistent verlangt im Schritt „Registrierte Testaktivierung" eine Testlizenznummer samt CAPTCHA. Der Link „Lizenznummer für Testversion erhalten" im Assistenten zeigt noch auf die alte `kerio.com`-Adresse und läuft ins Leere: GFI hat die Domain auf **`gfi.ai`** umgestellt. Die funktionierende Adresse — dort die E-Mail-Adresse eintragen, die Nummer kommt per Mail: **** Die alten Adressen `www.gfi.com/.../kerio-connect/download` und `gfi.ai/.../kerio-connect/download` leiten inzwischen alle dorthin um. Die Nummer lässt sich entweder im Assistenten eintragen oder später aus der laufenden Instanz heraus: **Dashboard → „Become a registered trial user"**. Beides braucht ausgehendes HTTPS auf Port 443. ## Für jeden Testlauf eine frische E-Mail-Adresse **GFI gibt pro E-Mail-Adresse dauerhaft dieselbe Trial-Nummer zurück.** Wer sich mit einer Adresse schon einmal registriert hat, bekommt bei jeder weiteren Anfrage seinen alten Schlüssel — und wenn dessen 30 Tage abgelaufen sind, ist er es auch beim Neuanfordern. Der Server quittiert das mit: ``` registration.cpp: License error: Unable to set license (License is expired). ``` Das sieht nach einem Server- oder Netzwerkproblem aus, ist aber keines: Der Schlüssel ist schlicht der alte. Für einen neuen Testzeitraum braucht es eine Adresse, mit der noch nie registriert wurde. Wegwerfadressen (trashmail.com und ähnliche) funktionieren dafür, werden von der Anmeldeseite aber teilweise blockiert — dann hilft nur ein anderer Anbieter. ## Ohne Lizenz geht kein Mailbetrieb Der Schalter `ConfigWizardDone` in `mailserver.cfg` überspringt zwar den Assistenten und gibt Administrationskonsole und Admin-API frei — er aktiviert aber **keinen Testzeitraum**. Ohne Lizenzschlüssel weisen IMAP, POP3 und Webmail jede Verbindung ab (`Server license expired` beim Client, `Product name does not match` im Log), und `error.log` meldet beim Start `No license key found`. Eine API zum Aktivieren gibt es nicht. Wer den Assistenten neu durchlaufen will, setzt `ConfigWizardDone` zurück auf `0` oder löscht `mailserver.cfg` ganz — Kerio legt beim nächsten Start eine frische an. Achtung: die Domänendefinition steht in dieser Datei, die Benutzer in `users.cfg` sind danach verwaist. **`mailserver.cfg` und `users.cfg` dürfen nur bei gestopptem Dienst bearbeitet werden.** Kerio schreibt seine Konfiguration beim Beenden aus dem Speicher zurück und überschreibt sonst jede Änderung am laufenden Dienst. ## Wenn der Schlüssel abgelehnt wird `store/logs/error.log` unterscheidet die Fälle — die Meldung sagt, ob der Schlüssel *ungültig* oder *abgelaufen* ist. Bei `License is expired` zuerst die E-Mail-Adresse prüfen (siehe oben), das ist die häufigste Ursache. Erst danach lohnt die Netzwerkseite: ```bash # Registrierungsserver erreichbar? getent hosts secure.kerio.com # muss auflösen getent hosts registration.kerio.com # löst NICHT mehr auf (normal) # Uhr korrekt? Eine falsche Systemzeit lässt gültige Lizenzen ablaufen. timedatectl ``` Der alte Host `registration.kerio.com` existiert nicht mehr; `secure.kerio.com` ist der aktive Registrierungsserver. --- ## Referenzen - [Administration API — Users](https://manuals.gfi.com/en/kerio/api/connect/admin/reference/interfacekerio_1_1jsonapi_1_1admin_1_1_users.html) - [Sample communication (Session.login, X-Token)](https://manuals.gfi.com/en/kerio/api/connect/admin/reference/sample_communication.html) - [Registering Kerio Connect (unregistered mode)](https://manuals.gfi.com/en/kerio/connect/content/registration-and-licenses/registering-kerio-connect-1134.html) - [Kerio Connect Testversion (30 Tage)](https://gfi.ai/products-and-solutions/email-and-messaging-solutions/kerioconnect/free-trial) - [Modifying the mailserver.cfg](https://support.kerioconnect.gfi.com/en-us/article/114788-modifying-the-mailserver-cfg)