BauDoc Bahn Lösungskonzept Stand 09.08.2026 Fassung 1

Aus einer Prüfliste wird ein Bauprojekt­management.

Übergeben wurde eine Tabelle: die EIU-Ablagestruktur mit 1.106 Zeilen. Was zunächst wie eine Anlage aussieht, ist tatsächlich die vollständige Spezifikation dessen, was in einem Infrastrukturprojekt entstehen, geprüft, übergeben und aufbewahrt werden muss. Genau darauf ist dieses System gebaut — und um die Rechnungsprüfung ergänzt, die daraus ohnehin folgt.

Ordner im Katalog
159
Soll-Unterlagen
944
Akten
P · B · K
Zustand
lauffähig
0Ausgangslage

Was in der übergebenen Tabelle tatsächlich steht

Die Datei ist keine Ordnerliste. Jede der 944 Soll-Unterlagen trägt fünf Angaben, die zusammen einen vollständigen Steuerungsdatensatz ergeben — und die in einer Tabelle nicht arbeiten können, weil niemand sie fortschreibt.

  • Gliederung — dreistufige Aktenstruktur: Planungsakte (P), Baudokumentation mit Bau- und Betreiberakte (B.I / B.II), Kaufmännische Akte (K).
  • Fachbereichsrelevanz — 16 Spalten, getrennt nach Fahrweg und Personenbahnhöfen. Damit lässt sich der Katalog auf ein konkretes Projekt zusammenschneiden.
  • Übergabezeitpunkt — zur Inbetriebnahme, drei bzw. sechs Monate danach, sechs Monate nach Bauende, zum Projektabschluss. Das ist eine Frist, sobald Projekttermine bekannt sind.
  • Aufbewahrung — Nutzungsdauer der Anlage oder Jahre nach Bauschlussmeldung.
  • Medium und Regelwerksbezug — Papierakte, digital, Mikrofiche; dazu die einschlägige Richtlinie oder Verwaltungsvorschrift.
Die Tabelle beantwortet die Frage „Was fehlt noch?“ nur zu dem Zeitpunkt, an dem jemand sie von Hand gepflegt hat. Das System beantwortet sie jederzeit — je Projekt, je Fachbereich, je Verantwortlichem, mit Frist.

Für die mitgelieferte Beispielmaßnahme — sechs Fachbereiche, Fahrweg — bleiben von 944 Positionen 675 einschlägige übrig. Die übrigen 269 werden nicht ausgeblendet, sondern begründet als nicht zutreffend geführt. Das ist der Unterschied zwischen „haben wir vergessen“ und „haben wir bewusst nicht“.

1Kern

Der Dokumentationsstand als Cockpit

Beim Anlegen eines Projekts werden Fachbereiche und Termine hinterlegt. Daraus erzeugt das System den projektspezifischen Soll-Katalog und rechnet jeden Übergabezeitpunkt in ein Datum um — es gilt jeweils die früheste erreichbare Frist, damit sich nicht alles vor dem Projektabschluss staut.

Danach zeigt eine Ansicht, was die Excel nie zeigen konnte: Erfüllungsgrad je Akte, überfällige Positionen, wer zuständig ist, und welche Datei zu welcher Sollposition gehört. Der Export in die ursprüngliche Spaltenlogik bleibt möglich — wer die Liste weiterhin als Tabelle braucht, bekommt sie auf Knopfdruck.

675
Sollpositionen im Beispiel
3
Akten mit eigener Quote
6
Fristanker aus den Terminen
1
Klick zum CSV-Rückexport
2Umfang

Module — und woher sie kommen

Kein Modul ist erfunden. Jedes bildet etwas ab, das in der Ablagestruktur als aufzubewahrende Unterlage benannt ist oder im Vorgabeprozess Bauüberwachung als Pflicht der Bauüberwachung steht.

Ablage B · K

Dokumentenmanagement

Versionen, Prüf- und Freigabelauf, Vertraulichkeitsstufen, Suche über Metadaten und Schlagworte. Jede Datei mit SHA-256-Prüfsumme, jeder Abruf protokolliert.

B.I 2.2 · Ril 809.0301

Bautagebuch

Wetter, Arbeitszeit, Betra und Sperrpause, Personal- und Gerätestunden, besondere Vorkommnisse. Nach Abschluss gesperrt — Änderungen nur als Nachtrag.

B.I 2.5

Meldungen und Mängel

Behinderungs-, Bedenken- und Mängelanzeige, Mehrkosten und Anordnung von Leistungen, Unfall- und Sofortmeldung — mit Frist, Zuständigkeit und Verlauf.

K 1 · K 2

Verträge und Nachträge

Leistungsverzeichnis, Nachtragsstatus mit Stellungnahme der Bauüberwachung, Auftragsvolumen inklusive beauftragter Nachträge.

K 3.3 · K 3.4

Aufmaß und Stundenzettel

Der Auftragnehmer reicht ein, die Bauüberwachung erkennt zeilenweise an. Diese anerkannte Menge ist die verbindliche Obergrenze für alles Folgende.

K 3

Rechnungsprüfung

Automatischer Abgleich gegen Vertrag, Aufmaß, Stundenzettel und Vorrechnungen. Getrennte Bescheinigung sachlich und rechnerisch richtig.

B.I 2.4

Kommunikation

Projektkanäle statt E-Mail-Verteiler. Erwähnungen benachrichtigen gezielt; wer weiterhin per E-Mail arbeiten möchte, stellt das im Profil ein.

B.I 0 · Vorgabeprozess

Beteiligte und Rechte

Rollen nach dem Vorgabeprozess: PL, BHV, BÜB, FBÜ, kaufmännische Steuerung, Planung, Auftragnehmer, Prüfer, Betreiber.

3Kernfall

Rechnungsprüfung: eine echte Abschlagsrechnung, durchgerechnet

Der Wunsch war, Rechnungen der Baufirmen gegen die Stundenzettel zu halten. Das ist möglich — und es lohnt sich, an derselben Stelle auch die Mengen mitzuprüfen, weil die Belege dafür ohnehin im System liegen.

Die Belegkette

1

Leistung wird belegt

Der Auftragnehmer reicht Aufmaß oder Stundenlohnzettel ein. Aus dem Bautagebuch ist unabhängig davon bekannt, wer an dem Tag mit wie vielen Leuten und Geräten vor Ort war.

Auftragnehmer
2

Beleg wird zeilenweise anerkannt

Die Bauüberwachung trägt je Zeile die anerkannte Menge oder Stundenzahl ein, mit Prüfvermerk. Beispiel aus der Demo: gemeldet 9 Stunden je Mann, anerkannt 7 — An- und Abfahrt sind mit den Einheitspreisen abgegolten.

Bauüberwacher Bahn
3

Rechnung wird automatisch abgeglichen

Jede Position gegen Vertragspreis, anerkanntes Aufmaß, bestätigten Zettel, beauftragten Nachtrag und bereits abgerechnete Mengen. Ergebnis ist ein Prüfbericht mit vorgeschlagener Kürzung.

System
4

Zwei Personen entscheiden

Sachlich richtig durch die Bauüberwachung, rechnerisch richtig durch die kaufmännische Steuerung, danach die Zahlungsfreigabe. Beide Bescheinigungen sind technisch nicht durch dieselbe Person möglich.

BÜB → Kaufmännische Steuerung → PL / BHV

Prüfbericht zur Rechnung 2026-AR-0431

Abschlagsrechnung der Nordbahn Gleisbau GmbH über 2.166.283,00 EUR netto. Die Rechnung ist absichtlich mit den Fehlern versehen, die in der Praxis vorkommen — das System findet sie ohne Zutun.

Pos. OZ / Beleg Befund Beleg sagt Rechnung sagt Differenz
3 01.01.0020 Preisabweichung
Einheitspreis über Vertrag
24,90 EUR/m² 26,40 EUR/m² 12.690,00
4 01.02.0040 Menge über Aufmaß
drei Weichen abgerechnet, zwei anerkannt
2 St 3 St 148.500,00
5 02.01.0030 Menge ohne Aufmaß
Überbau liegt noch auf dem Lagerplatz
0 psch 1 psch 384.000,00
7 SLZ-2026-091 Stunden über Zettel
gemeldete statt anerkannter Stunden
21,00 Std. 25,00 Std. 313,60
7 SLZ-2026-091 Stundensatz weicht ab
zur Klärung, nicht zur Kürzung
92,75 EUR/Std. 78,40 EUR/Std.
8 SLZ-2026-097 Zettel nicht bestätigt
noch nicht durch die Bauüberwachung geprüft
eingereicht abgerechnet 627,00
10 03.01.0010 Menge über Aufmaß
Kabeltrog nur teilweise anerkannt
1.650 m 1.800 m 9.360,00
Vorgeschlagene Kürzung netto — anerkannt 1.610.792,40 EUR 555.490,60

Position 9 — die Nachtragsleistung Bodenaustausch über 186.400 EUR — wird ohne Befund durchgelassen, weil der Nachtrag N-01 geprüft und beauftragt ist. Das ist ebenso wichtig wie das Finden von Fehlern: Wer alles beanstandet, wird nicht mehr gelesen.

Was sonst noch geprüft wird

  • Doppelabrechnung desselben Stundenlohnzettels über mehrere Rechnungen hinweg
  • Nachtragsleistung ohne beauftragten Nachtrag
  • Zuschlag in der Rechnung, der auf dem Zettel nicht vermerkt ist
  • Rechenfehler in Zeile, Umsatzsteuer und Bruttobetrag
  • kumulierte Abrechnung über der Auftragssumme einschließlich Nachträge
  • Hinweis bei Mengenmehrung über 110 Prozent — Preisanpassung nach § 2 Abs. 3 VOB/B prüfen
Das System entscheidet nichts. Es legt die Belege nebeneinander und benennt jede Abweichung mit Betrag. Die Bescheinigung bleibt eine persönliche Erklärung — auch die bewusste Freigabe trotz Befund, die mit Begründung protokolliert wird.
4Rechte

Wer darf was

Rollen werden je Projekt vergeben, bei Fachbauüberwachern zusätzlich je Fachbereich. Auftragnehmer sehen ausschließlich eigene Verträge, Stunden, Aufmaße und Rechnungen sowie freigegebene, nicht als intern gekennzeichnete Unterlagen.

Rolle Dokumente freigeben Bautagebuch Stunden prüfen Sachlich richtig Rechnerisch richtig Zahlung freigeben
Projektleitung (PL)jagegenzeichnenja
Bauherrenvertretung (BHV)jagegenzeichnenja
Bauüberwacher Bahn (BÜB)jaführenjaja
Fachbauüberwacher (FBÜ)im Fachbereichführenja
Kaufmännische Steuerunglesenja
Auftragnehmereinreichen

Sämtliche Vorgänge landen in einem Protokoll: Anmeldung, Upload, Abruf einer Datei, Freigabe, Prüflauf, Bescheinigung. Damit ist auch Jahre später nachvollziehbar, wer wann was erklärt hat.

5Betrieb

Technik, bewusst schmal gehalten

Vier bewegliche Teile, keine Fremddienste, keine Cloud-Abhängigkeit. Das ganze System startet mit einem Befehl und läuft ebenso im eigenen Rechenzentrum wie auf einem Bauleitungsserver.

  • Anwendung — ein Container, Oberfläche und Server-Logik in einem Prozess
  • PostgreSQL — ein Container für die Datenhaltung
  • E-Mail — beliebiges SMTP-Relais des Hauses; für den Test ein mitgelieferter Abfangserver
  • Anmeldung — im System selbst, ohne zusätzlichen Dienst; Anbindung an das Unternehmensverzeichnis ist nachrüstbar

Dateien bleiben Dateien

Alles Persistente liegt als gewöhnliches Verzeichnis neben der Konfiguration — Datenbank unter data/postgres, Dokumente unter data/files, abgelegt nach Projektnummer und Jahr. Ein Backup ist ein Archiv über einen Ordner, ein Umzug ein Kopiervorgang. Die Ablage ist auch dann noch lesbar, wenn die Anwendung eines Tages nicht mehr läuft — bei einer Aufbewahrungspflicht von bis zu 38 Jahren nach Bauschlussmeldung ist das keine Nebensache.

6Offen

Was bewusst offen geblieben ist

Die folgenden Punkte sind nicht vergessen, sondern absichtlich zurückgestellt: Sie setzen Entscheidungen voraus, die nur der Auftraggeber treffen kann. Sie sind der eigentliche Zweck des nächsten Gesprächs.

  1. Verhältnis zum elektronischen Bautagebuch (eBTB) Wird das Bautagebuch hier geführt oder aus dem bestehenden System übernommen? Beides ist möglich, aber es sollte nur eine führende Quelle geben.
  2. Rechnungseingang Sollen Rechnungen als X-Rechnung oder ZUGFeRD eingelesen werden statt erfasst? Das ändert nichts an der Prüflogik, spart aber die Erfassung.
  3. Leistungsverzeichnisse Liegen die LV als GAEB-Datei vor? Dann entfällt das Anlegen der Positionen von Hand.
  4. Anmeldung Eigene Benutzerverwaltung oder Anmeldung über das Unternehmensverzeichnis — und wie kommen externe Baufirmen hinein?
  5. Erfassung vor Ort Wird auf der Baustelle mit dem Telefon gearbeitet? Dann sind Fotodokumentation mit Ortsbezug und eine Offline-Erfassung sinnvoll.
  6. Aufbewahrung und Aussonderung Was geschieht nach Ablauf der Frist — automatischer Hinweis, Export in ein Archivsystem, oder Löschung nach Freigabe?
Vorschlag für das nächste Gespräch: nicht über Anforderungen sprechen, sondern gemeinsam die Beispielrechnung durchgehen. Erfahrungsgemäß fällt dabei innerhalb von zehn Minuten auf, was im eigenen Haus anders läuft — und genau das ist die Anforderungsliste.